Babelsberg (SID). Trainer Dietmar Demuth war völlig geschockt, einige Spieler sind noch ahnungslos: Fußball-Drittligist SV Babelsberg drohen wegen akuter Finanzprobleme der Entzug der Lizenz und damit verbunden der Zwangsabstieg aus dem Profifußball. "Die Nachricht kam am Montagabend sehr überraschend. Wir sind total ratlos, wie es jetzt weitergehen soll", sagte Demuth. Fehlende Sponsorengelder könnten das endgültige Aus der Babelsberger bedeuten.

Der geplante Gesamtetat von 2,7 Millionen Euro sei bislang nur zur Hälfte gedeckt, weil bereits verhandelte Sponsorenverträge nicht unterzeichnet worden seien. "Einige Leute haben es geschafft, unsere Arbeit zu zerstören. Wir hatten ja schon immer Probleme, konnten es aber immer hinbiegen", sagte Demuth und fügte hinzu: "Im Moment sieht es aber sehr schlecht für uns aus. Ich habe große Bedenken, dass der Verein gerettet werden kann."

Der 55 Jahre alte Trainer, seit Oktober 2007 in Babelsberg im Amt, habe sofort die Spieler über die prekäre Situation informieren wollen. "Leider sind nicht alle vor Ort, ein Teil ist schon im Urlaub. Alle haben ich noch nicht erreicht", sagte Demuth. Unter anderem teilte er seinen Profis mit, dass sie bei Angeboten von anderen Vereinen sofort die Freigabe zum Wechsel bekommen. Demuth hatte bereits Verstärkungen im Auge, die in den nächsten Tage nach Potsdam anreisen sollten. Diesen Weg könnten sie sich sparen und gleich einen anderen Verein suchen.

Babelsberg beendete die Saison überraschend auf Platz 13 und schaffte sicher den Klassenerhalt - mit dem kleinsten Etat der Liga. Außerdem erreichte die Elf um Kapitän Marian Unger den Einzug in die erste Runde des DFB-Pokals. Besonders viel Hoffnung auf eine Rettung gibt es nicht. "Jetzt ist die Stadt gefragt. Wenn man noch Spitzensport in Potsdam haben will, ist die Politik gefragt", sagte Demuth.

Im Hintergrund gab es in den letzten Wochen mehrere Brandherde. Zum einen trat Peter Paffhausen, der Vorsitzende des Aufsichtsrates und Chef der Potsdamer Stadtwerke, von seinem Amt zurück. Zudem habe die Stadt Potsdam nach Informationen der Märkischen Allgemeinen Zeitung den vertraglich geregelten Zuschuss zur Bewirtschaftung des Karl-Liebknecht-Stadions in Höhe von 150 000 Euro im Jahr immer wieder zurückgehalten. Bis zum 1. Juni muss das fehlende Geld beim DFB nachgewiesen werden. Gelingt das nicht, droht der bittere Gang in die Regionalliga.