Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Das musste mancher Magdeburger erfahren, der das lange Osterwochenende nutzen wollte, um seine Abfälle per " Brauchtumsfeuer " zu entsorgen. Ordnungsbeigeordneter Holger Platz machte seine Drohung wahr, verstärkt zu kontrollieren, und so schwärmten Mitarbeiter des Ordnungs- und des Umweltamtes am Sonnabend aus, begleitet von der Volksstimme.

Magdeburg. Sonnabend, 11 Uhr. Als Peter König und Daniel Günther vom Ordnungsamt zusammen mit Umweltamtsmitarbeiterin Linda Wesenburg am Rathaus ins Auto steigen, rechnen sie mit einem eher ruhigen Vormittag. Die angemeldeten Brauchtumsfeuer kontrollierte das Amt bereits in den Vortagen, alles war in Ordnung. Aber Pustekuchen : " Wir mussten bis heute früh bereits drei Feuer löschen lassen ", verabschiedet Stadtordnungsdienstleiter Gerd vom Baur seine Mitarbeiter. In der Tat : Als die Fahrt an den Stadtrand in Richtung Diesdorf geht, kommen über Funk bereits die ersten Fälle herein. Von den Straßen aus sind viele Rauchsäulen in den Gartensparten zu erkennen, und Linda Wesenburg blickt aufmerksam nach links und rechts. Aufsteigende Rauchwolken, dunkler Qualm – für die Beamten ein sicheres Indiz, dass ein Verstoß gegen das Verbrennverbot vorliegt.

Den ersten Stopp legen sie in der Gartensparte " Lebensfreude " am Diesdorfer Graseweg ein : Eine weithin sichtbare Rauchfahne bringt die Kontrolleure zu einem Mann, der gerade Gartenabfälle in einer Tonne verbrennt. " Kein Brauchtumsfeuer ", urteilt Linda Wesenburg und droht mit 150 Euro Bußgeld. Der Mann, der einen völlig verwahrlosten Garten neu übernommen hat und in die erste Saison startet, kommt am Ende mit 35 Euro Verwarngeld davon – er war einsichtig. Hätte er seine Abfälle zum 20 Meter entfernten, angemeldeten Brauchtumsfeuer der Sparte gebracht, wären ihm die Kosten erspart geblieben. Die Funkzentrale gibt mehrere Zeugenmeldungen durch, nach denen in Lemsdorf illegal Möbel verbrannt werden. Einen Gartenpächter stellt das Ordnungsamt in der Sparte " Paradies " Am Nordenfeld auf frischer Tat. Als er die Beamten nahen sieht, löscht er sein Feuer, doch die verkohlten Holztüren sind noch deutlich erkennbar. " Ja, ein Schrank musste dran glauben ", gibt der Mann zerknirscht zu. 150 Euro kostet ihn die " Warmentsorgung " voraussichtlich. " Die Zeiten brennender Autoreifen sind vorbei, aber vereinzelt gibt es das noch ", sagt Peter König gelassen. Jeden Verstoß gegen das Verbrennverbot dokumentiert Linda Wesenburg mit Foto, gibt ihn an die Bußgeldstelle des Ordnungsamtes weiter. Auch den einer jungen Familie in der Brenneckestraße, die ein altes Haus gekauft hat und nun die teils nassen Abfälle auf dem Hinterhof verbrennt – Rauchschwaden hüllen die Nachbarschaft in stinkenden Nebel.

" Wenn die Stadt bei unserem Grundbucheintrag mal auch so schnell wäre ", ärgert sich der Familienvater über die Kontrolle und notiert sich Linda Wesenburgs Namen. Die Familie muss das Feuer löschen und zahlt 35 Euro Verwarngeld. Immer noch kommen neue Meldungen per Funk herein – Peter König, Daniel Günther und Linda Wesenburg ahnen, dass ihr Tag noch lang und stressig wird. Noch bis 23 Uhr werden die Beamten mit zwei Wagen im Stadtgebiet unterwegs sein.

Aus Sicht der Feuerwehr verlief das Osterwochenende ruhig. " Wir hatten einige brennende Müllcontainer, mussten aber keine Osterfeuer löschen ", berichtet Manfred Haase vom Einsatzleitdienst.