Der Bundesliga-Dino bleibt drin: Im Nachsitzen hat Borussia Mönchengladbach das Horrorszenario 2. Liga abgewendet und den Klassenverbleib im deutschen Fußball-Oberhaus doch noch geschafft.

Bochum (dpa). Der Elf vom Niederrhein reichte gestern Abend ein 1:1 (0:1)-Remis im Relegations-Rückspiel beim Zweitliga-Dritten VfL Bochum, nachdem Gladbach die erste Partie noch mit 1:0 gewonnen hatte. Jungstar Marco Reus vereitelte mit seinem goldenen Treffer den dritten Erstliga-Abstieg der von vielen schon vor Monaten abgeschriebenen "Fohlen" nach 1999 und 2007.

Gladbachs Havard Nordtveit (24.) brachte Bochum per Eigentor in Führung, der designierte Nationalspieler Reus (72.) traf nach schwacher erster Hälfte zum 1:1. Erst nach gut einer Stunde schien die Elf des Schweizer Trainers Lucien Favre die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und erwachte aus der Lethargie.

Der Klassenverbleib könnte nun auch für etwas Ruhe in der Chefetage sorgen: Eine Oppositionsgruppe um Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg will an diesem Sonntag bei der Jahreshauptversammlung mit Hilfe von Satzungsänderungen Macht im Verein gewinnen - offen, ob das gelingt.

Der VfL um Trainer Friedhelm Funkel verpasste hingegen den siebten Bundesliga-Aufstieg nach 1971, 1994, 1996, 2000, 2002 und 2006. Dabei hatte der aufstiegserfahrene Coach mit einer unkonventionellen Maßnahme vor dem Spiel noch einmal alles versucht: Er zeigte seinen Spielern ein Video des Gladbacher Hinspieltores, als Igor de Camargo 15 Sekunden nach Ende der regulären Nachspielzeit getroffen und die Ruhrpottgemüter erhitzt hatte. Ob der unglücklichen Pleite startete der einstige UEFA-Cup-Teilnehmer wütend und voller Tatendrang.

Und die abwartenden Gladbacher? Hatten anfangs kaum etwas dagegenzusetzen. Lauf- und Einsatzbereitschaft erzürnten auch Trainer Favre. Der konnte an seinem 100. Tag in Gladbacher Diensten zwar auf den angeschlagenen Reus zurückgreifen, sah seine Elf aber auch mit dem flinken Offensivmann zunächst immer wieder in Bedrängnis.

Schon nach drei Minuten verlängerte Marcel Maltritz im mit 28 650 Besuchern ausverkauften Rewirpower-Stadion eine Ecke an die Latte des "Fohlen"-Gehäuses - der starke Borussen-Torwart Marc-André ter Stegen wäre geschlagen gewesen. Etwas später war das der Fall: Der bissige Mirkan Aydin setzte sich an der Strafraumkante stark durch, passte auf den durchgestoßenen VfL-Kapitän Christoph Dabrowski, und dessen flache Hereingabe bugsierte Nordtveit unglücklich ins eigene Tor.

Die Borussia schien ihren Vorteil durch den Hinspielsieg leichtfertig zu verzocken, kam bis zur Pause zu keiner nennenswerten Gelegenheit. Erst danach machte die Elf vom Niederrhein, nach dem Trainerwechsel zu Lucien Favre noch vom Tabellenende auf Rang 16 geklettert, mobil. Nach einer schönen Kombination bediente Hinspieltorschütze de Camargo den davonstürmenden 22-jährigen Reus, der VfL-Torwart Andreas Luthe aus kurzer Distanz keine Chance ließ.

Bilder