Rostock/Cottbus (dpa). Völlig unterschiedliche Stimmungslage bei den beiden Fußball-Zweitligisten aus dem Osten: Bei Hansa Rostock ist Feuer unterm Dach, bei Energie Cottbus wieder Entspannung angesagt.

Spätestens seit der 0:1-Heimpleite gegen RW Ahlen mit anschließenden wütenden Fanprotesten ist schnelle Krisenbewältigung bei Hansa angesagt. Doch es verdichtet sich der Eindruck der vergangenen Wochen, dass momentan kein Verantwortlicher weiß, wie die aussehen könnte.

Der angeschlagen wirkende Vorstandsvorsitzende Dirk Grabow – gegen ihn richtet sich der Hauptzorn der Hansa-Anhänger – meidet die Öffentlichkeit derzeit ebenso wie Aufsichtsratschef Hans-Ulrich Gienke. Manager René Rydlewicz ist wegen des mehr und mehr als Schnellschuss empfundenen Trainerwechsels und einer nun nicht mehr unumstrittenen Einkaufspolitik in die Kritik geraten. Er versucht mit Durchhalteparolen die Situation unter Kontrolle zu halten, während sich die Spieler nur noch bedingt öffentlich äußern.

Lediglich der ehemalige Assistenz- und jetzige Cheftrainer Thomas Finck – erst seit knapp zwei Wochen als Nachfolger von Andreas Zachhuber im Amt – bemüht sich, das sportlich Unfassbare zu erklären. Bereut habe er es noch nicht, den Job übernommen zu haben, aber enttäuscht sei er schon, gab der 40-Jährige gestern rund 40 Stunden nach der Schlappe gegen Ahlen zu. "Der erhoffte Effekt des Trainerwechsels ist nicht eingetreten", sagte Finck nüchtern. Die Zahlen geben ihm recht: Drei Spiele unter seiner Regie, kein Tor, ein Punkt.

Nach acht sieglosen Partien in Serie ist der einst komfortable Vorsprung der Rostocker auf die Abstiegsränge dramatisch geschmolzen. Von Relegationsplatz 16 trennen den FC Hansa noch ganze zwei Zähler. Und die großen Brocken der Rückrunde kommen erst noch. Mit welchen Spielern Finck demnächst punkten will, weiß er aber offenbar auch nicht genau. Der Trainer gibt zu, dass viele junge Spieler im Kader wie Bartels, Jänicke, Gusche, Buschke oder Lange der prekären Finanzlage geschuldet sind. Routiniers wie Retov, Schlitte oder Fillinger präsentieren sich derzeit völlig von der Rolle. Und die im Winter verpflichteten Johannsson, Danielsson und Dahlén haben offenkundigen Nachholbedarf in Sachen Kondition und Taktik.

Das alles ist den Fans nicht entgangen. Einige hundert von ihnen hatten nach der Partie gegen Ahlen eine Absperrung überwunden und versucht, über die VIP-Eingänge in die DKB-Arena einzudringen, was ein großes Aufgebot von Polizisten und Ordnern nur mit Mühe verhindern konnte. Nach knapp anderthalb Stunden löste sich der Protest ohne weitere Auseinandersetzungen auf.

Energie hat nach großen Turbulenzen zunächst in ein ruhigeres Fahrwasser zurückgefunden. Durch einen 3:1 (2:0)-Sieg über die enttäuschende Elf von Alemannia Aachen hat sich Cottbus mit nun 31 Punkten wieder ins Mittelfeld hochgearbeitet und die Abstiegszone hinter sich gelassen. Zugleich gelang mit dem ersten Heimsieg 2010 die Versöhnung mit den zuletzt unzufriedenen Fans. "Ich hoffe, dieser Sieg gibt uns Sicherheit und Gelassenheit", erklärte der zuletzt heftig kritisierte Trainer Claus-Dieter Wollitz nach dem erst fünften Heimsieg der Saison. Doppeltorschütze Nils Petersen: "Ich habe zwar zwei Treffer erzielt, aber nicht so berauschend gespielt. Das Wichtigste ist, dass wir endlich wieder drei Punkte gewonnen haben."