Rostock (dpa). Holger Schneider will hoch hinaus. Der ehrgeizige ehemalige Nationalspieler, der bereits Post Schwerin und den Stralsunder HV in die Bundesliga geführt hat, will nun auch mit dem HC Empor Rostock in die Beletage des deutschen Handballs einziehen. "Wir wollen in spätestens drei Jahren wieder in der ersten Liga sein", kündigt der Geschäftsführer des Traditionsvereins, der 1982 mit dem Gewinn der Europameisterschaft für Vereinsmannschaften seinen größten Erfolg feierte, selbstbewusst und verbal nachhaltig an.

Das hehre Ziel ist Musik in den Ohren der Rostocker Handball-Anhänger, die in jüngster Vergangenheit nicht eben verwöhnt wurden und nach der Saison 2002/2003 sogar den Abstieg in die dritte Liga schlucken mussten. Letzteres Szenario ist kein Thema und kein Anspruch für einen wie Schneider, der als Spieler ein Linksaußen von Weltformat war und die SG Flensburg-Handewitt 1997 zum Europapokalsieg im EHF-Cup führte.

Die ehemaligen Kollegen von der Förde würde der 47-Jährige gern wieder in Rostock begrüßen – allerdings nicht nur zum Traditionstreffen. "Wir werden ein Team auf die Beine stellen mit vielen jungen deutschen Spielern", sagt Schneider. "In der neuen Mannschaft für 2011/12 werden mindestens sieben Spieler unter 21 Jahren sein", ergänzte der geschäftsführende Gesellschafter Bernd-Uwe Hilde-brandt, einst lange Jahre für den SC Magdeburg in Sachen Handball unterwegs.

Das Duo lässt Taten folgen und Namen. Zunächst wurden die Verträge mit den Eigengewächsen Florian Zemlin (20 Jahre) und René Gruszka (20) verlängert. Danach verpflichtete Empor in Torhüter Felix Storbeck (19), Rückraumspieler Philipp Weber (19) und Kreisläufer Benjamin Meschke (20) drei Jugend- und Junioren-Nationalspieler vom SC Magdeburg für jeweils zwei Jahre. Am vergangenen Wochenende schließlich wurde auch noch Junioren-Nationalspieler Tom Wetzel (19) vom Ligakonkurrenten TSV Altenholz zurück in seine Heimatstadt gelotst.

Die Abteilung "Jugend voran" soll ab der kommenden Saison marschieren. Zuvor ist noch die derzeitige Mischung gefordert, um das Saisonziel eingleisige 2. Liga zu realisieren. Das ist ein hartes Stück Arbeit, das unter Umständen erst mit dem letzten Ballwechsel der laufenden Saison entschieden werden könnte. Schneider schreckt das nicht, an ein mögliches Scheitern verschwendet er "überhaupt keinen Gedanken. Mit dieser Mannschaft müssen wir das Ziel erreichen."

Um dann das nächste anzugehen. Denn sportlich wird die neue Liga ein Kraftakt und finanziell sowieso. "Wir müssen einhunderttausend Euro draufpacken, um die Mehrkosten zu decken", glaubt der Empor-Geschäftsführer, der das laufende Spieljahr mit einem Budget von 800 000 Euro bestreitet. Das ist noch weit entfernt von Erstliga-Format, das vom Krösus THW Kiel (9,5 Millionen Euro) bis zum mittlerweile insolventen DHC Rheinland (1,2 Millionen Euro) reicht. Aber Schneider hat ja noch Zeit. Drei Jahre hat er sich gegeben.