Magdeburg/Königssee. Unaufgeregt, ja nahezu lethargisch, wie ein Bär kurz vor der Winterruhe, gab sich Bob-Anschieber Andreas Bredau gestern Nachmittag der Hege und Pflege seines Arbeitsgerätes hin, mit dem der einstige Diskushüne – 1,97 Meter groß und 108 Kilo schwer – kurz zuvor in Königssee durch die Eisrinne gerast war. Und während der 26-Jährige in aller Seelenruhe die Kufen auf Hochglanz polierte, das Spurenmaß kontrollierte und ein paar Schrauben festzog, deutete nichts darauf hin, dass der eigentliche Saison-Highlight – die Heim-WM – vor der Tür steht.

"Wir lagen mit unseren Zeiten jeweils im Mittelfeld – also alles im grünen Bereich", hatte Bredau nach den gestrigen zwei Trainingsläufen und insgesamt sechs Testfahrten zu berichten. "Wir gehen das ganz ruhig an, als wäre es keine Weltmeisterschaft, sondern ein Weltcuprennen wie jedes andere auch – und dann sehen wir mal, wie weit wir damit kommen", ließ sich der gebürtige Burger nicht in die Karten schauen und demonstrierte nach außen hin Gelassenheit.

Und das, obwohl (oder gerade weil?) von ihm als Anschieber, aber vor allem von "Chefpilot" Manuel Machata beim Heimspiel Medaillen erwartet werden. Schließlich ist der "Machete" aus Ramsau im ersten Weltcup-Winter ein Start von Null auf Hundert gelungen. Zudem hat der Gewinn des EM-Titels im Zweier (zusammen mit Bredau) sowie der Kristallkugel im Vierer-Weltcup Erwartungen geweckt. "Sicher ist der Druck von außen da, aber wir versuchen, das nicht zu sehr an uns herankommen zu lassen. Allerdings ist das gar nicht so einfach, denn bei einer Heim-WM kommt erschwerend hinzu, dass jeder was von einem will und man kaum zur Ruhe kommt", nennt Bredau, der für Potsdam startet und vorwiegend in Halle trainiert, eine Kehrseite des "Heimspiels".

Doch spätestens wenn morgen um 9.30 Uhr das Startsignal für den ersten von insgesamt vier Läufen im Zweier ertönt – die Rennen im Viererbob finden am darauffolgenden Wochenende statt – wird "Bob-Bär" Bredau hellwach sein müssen, explodieren und den Schlitten beschleunigen, dass es nur so kracht. "Ich bin bereit!", stellte er klar.

Einen Start nach Maß erwartet auch Bob-Cheftrainer Christoph Langen, der die Meßlatte ganz hoch legt: "Wir wollen in allen drei Wettbewerben den WM-Titel holen."