Leipzig/Magdeburg. Eine Woche vor der Hallen-EM in Paris sorgte Sprinter Sebastian Ernst mit deutschem Rekord über 200 m (20,42 sec.) für das Highlight der 58. Leichtathletik-Meisterschaften in Leipzig. Doch wenn heute gut drei Dutzend Athleten für die Titelkämpfe nominiert werden, wird Ernst fehlen. Der Grund: Die 200 Meter gehören nicht zum EM-Programm.

Dafür sind mit Josephine Terlecki und Janin Lindenberg auch zwei Magdeburgerinnen in Paris dabei. SCM-Neuzugang Terlecki wurde Vizemeisterin im Kugelstoßen. Mit 17,76 Metern kam die 24-Jährige zwar in die Nähe ihrer Bestleistung (17,88 m) und der bereits zuvor erreichten EM-Norm (17,80), doch der Abstand zu der Weltbestleistung stoßenden Siegerin Christina Schwanitz (18,87) war doch beträchtlich.

"Ich hatte mir vorgenommen, mindestens die Norm zu stoßen, und natürlich haben mich auch die 18 Meter gereizt, aber ich war etwas zu schnell oben im Oberkörper", haderte die 24-jährige terlecki ein wenig mit ihrer Technik. "Bei der EM in Paris soll es besser klappen. Dort möchte ich locker in die Qualifikation gehen und hoffe, dass ich dann im Finale einen raushaue", blickte der Schützling von Trainer Klaus Schneider schon mal voraus.

Janin Lindenberg schwebte dagegen gestern im siebten Himmel. Die Magdeburgerin konnte im 400-Meter-Finale die Erwartungen erfüllen und sich in 52,91 Sekunden souverän den Titel sichern. Doch das war nicht alles, denn im Vorlauf hatte die 24-Jährige sehr zur Freude ihres Trainers Marco Kleinsteuber in 52,26 Sekunden nicht nur eine persönliche Hallenbestleistung aufstellen können, sondern auch die Einzel-Norm für Paris geknackt (52,40). "Das Wochenende war für mich ein Riesenschritt nach vorne: Hallenmeisterin und dazu im Alleingang eine Norm laufen, das ist für mich das Größte", jubelte Lindenberg, die sich zudem mit ihrem neuen Trainingskollegen Oliver Vogel über dessen überraschendes 800-Meter-Bronze (1:49,77 Minuten) freuen durfte.

Dennoch behielt die Staffel-Vizeeuropameisterin die Bodenhaftung: "Der Einzelstart in Paris ist wunderbar, aber man muss natürlich realistisch sehen, dass ein Finaleinzug sehr schwierig wird. Für die Staffel sind die Aussichten wesentlich besser."

Zu den Medaillenhoffnungen bei der EM zählen auch Carolin Nytra, die über 60 m Hürden in 7,93 Sekunden ebenso ungefährdet siegte wie Verena Sailer über die flachen 60 m (7,28). Auch die Dreisprung-Weltjahresbeste Katja Demut setzte sich souverän mit 14,20 m durch. Im Stabhochsprung sicherte sich Lisa Ryzih mit 4,65 m den Sieg. Zudem gelang Junioren-Weltrekordler David Storl ein Traum-Comeback. Der bis Dezember am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankte 20-jährige Kugelstoßer schlug mit 20,70 m erstmals bei Titelkämpfen den EM-Dritten und Serienmeister Ralf Bartels (20,68).