Von Klaus Renner

Magdeburg. Auch davor ist ein Radprofi nicht gefeit: Der aus Magdeburg stammende und jetzt für das Luxemburger Team Leopard Trek startende Radrenner Robert Wagner kam am Sonntag nicht umhin, während der 66. Auflage des Halbklassikers "Het Nieuwsblad" in Belgien per Anhalter die Ziellinie zu überfahren. "Bei 180 Kilometern hatte ich einen Platten. Da war ich so etwa 40.", erzählt der 27-Jährige und ergänzt ein wenig süßsauer lächelnd: "Weit und breit war kein Materialwagen, da kam ein Bekannter mit seinem Pkw des Weges, und der hat mich schließlich mitgenommen."

Besser war es für den Spross einer Magdeburger Radsport-Familie einen Tag zuvor gerollt, auch wenn am Ende des Halbklassikers Kuurne–Brüssel– Kuurne nur Platz 115 mit 1:20 Minuten Rückstand auf den australischen Sieger Chris Sutton herauskam.

Der Magdeburger hatte für seinen belgischen Teamgefährten Wouter Weylandt, der am Ende 15. wurde, den Zielsprint angefahren und erklärte gestern den Ausgang des Rennens auf Radrenner-Art so: "Ich hatte die Rolle des Helfers und habe wie geplant 1000 Meter vor dem Ziel abgesetzt."

Wagners neues Pro-Tour-Team, dem er sich im Winter angeschlossen hat und in dem er mit den Luxemburger Bruderpaar Andy und Frank Schleck fährt, holte sich die "Körner" für die Saison in einem mehrwöchigen Trainingslager auf Mallorca. Auf der Mittelmeerinsel gab es für ihn einen 8. Platz, außerdem wurde Wagner in Portugal einmal 19. "Ich bin mit meiner Form zufrieden. Jetzt kommen aber die Frühjahrs-Klassiker, und die sind für das Team wichtig", legt der frischgebackene Ehemann den Maßstab für seine sportlichen Vorhaben dieses Jahres fest.

Wie in den Jahren zuvor beim Team Skil-Shimano, will sich Wagner in der noch jungen Saison auf die Klassiker konzentrieren, denn er weiß: "Wir haben auch bei Leopard Trek eine Klassikertruppe, in der jeder seine Chance bekommen soll." Die ersten Höhepunkte für den 1,86 m große Renner sind die Flandern-Rundfahrt (3. April) und Paris–Roubaix eine Woche darauf. "Dafür bin ich gesetzt", sagt Wagner nicht ohne Stolz.

Überhaupt verspürt Robert Wagner im Vergleich zu seinen bisherigen Teams "einen großen Unterschied in allem, was die Organisation betrifft. Es ist einfach mehr Geld da, demzufolge ist in jeder Beziehung mehr möglich." Das Team mit den Stars Fabian Cancellara und den Schleck-Brüdern ("beide kannte ich zuvor nur aus dem Fernsehen") bezeichnet der Magdeburger als "eine tolle Truppe".

"Will meinem Freund Greipel helfen "

Doch die ganz großen Rennen – das Ziel eines jeden Radprofis – stehen erst im Sommer auf dem Plan. Zwar hält sich Wagner noch recht bedeckt ("die Tour de France wird es für mich in diesem Jahr wohl noch nicht"). Bis Ende April ist kein rennfreies Wochenende abzusehen, doch mit dem Frühjahrs-Klassiker Paris–Roubaix soll für den gelernten Automobil-Kaufmann noch lange nicht Schluss sein: "Dann ist ein Trainingslager in Belgien vorgesehen. Ich hoffe, dass ich für die am 20. August beginnende Vuelta nominiert werde. Doch so weit kann man noch nicht planen. Das ist Zukunftsmusik." Immerhin wäre das Wagners erste große Landesrundfahrt.

Etwas hat sich Robert Wagner aber ganz fest vorgenommen – die WM Ende September in Dänemark. In die Medaillenränge zu fahren, hält er für vermessen, doch schon die Teilnahme erachtet er als Erfolg: "Wenn, dann würde ich ohnehin als Helfer für meinen Freund André Greipel fahren. Der hat durchaus Chancen auf den Titel. Und wenn ich ihn dabei unterstützen könnte – das wäre doch was …"