Magdeburg. Alles, was Janin Lindenberg in den letzten Monaten so ans Herz gewachsen ist, rückt an diesem Wochenende in die Warteschleife: Ihr Single-Leben, die neue Heimat Magdeburg, ihr Hamster Leonidas und die eigene Tätowiermaschine, die Trainingskollegen und Freunde, ja sogar Marco Kleinsteuber, "der beste, wenn auch gnadenloseste Trainer der Welt". Dies alles ließ die frischgebackene 400-Meter-Hallenmeisterin zurück, um in der Stadt der Liebe ihr (Medaillen)Glück zu suchen.

In Paris finden von heute bis Sonntag die Hallen-EM der Leichtathleten statt, und hier will sich die Vize-Europameisterin zu neuen Höhenflügen aufschwingen. Allerdings unter etwas anderen Vorzeichen als im Sommer in Budapest, wo Lindenberg mit der Staffel überraschend EM-Silber gewann. So ist die 24-Jährige in Paris nicht nur in der Staffel, sondern erstmals auch im Einzel gefordert. Das EM-Ticket ergatterte die trainingsfleißige und ehrgeizige Viertelmeilerin – die von ihrem Heimtrainer als "liebenswerte Chaotin" bezeichnet wird, auf die man am besten immer ein Auge hat, damit sie keinen Unsinn mache – bei den nationalen Titelkämpfen vor einer Woche in Leipzig. Dort knackte sie im Vorlauf über 400 Meter mit ihrer neuen Hallenbestleistung von 52,26 Sekunden auch die EM-Einzel-Norm (52,40).

Dass sie trotz des erneuten Leistungssprungs, der laut Kleinsteuber nicht überraschend kam, weil sein Schützling aufgrund erhöhter Umfänge vor allem im Schnellkraftbereich bereits jetzt die Leistungsparameter des vergangenen Sommers toppen konnte, in Paris "wohl noch keinen Blumentopf" gewinnen wird, ist Lindenberg durchaus klar.

Dennoch will die künstlerisch begabte Frau, deren Faible für Tattoos unübersehbar ist, ihre Haut so teuer wie möglich verkaufen: "Auch wenn es sehr schwer wird bei dem Klasse-Feld, ich werde alles geben, um es ins Finale zu schaffen", so die Sprinterin, die in der bereinigten, europäischen Bestenliste (zwei Athleten pro Nation) auf Rang fünf zu finden ist.

In Bezug auf die Staffel geht die hübsche Polizeimeisterin dagegen forscher zur Sache, da legt sie es sogar auf Edelmetall an: "Als Vizeeuropameister haben wir schon einmal am Erfolg schnuppern dürfen, da sind wir auf den Geschmack gekommen. Also spreche ich sicher auch im Namen der anderen Mädels, wenn ich sage: Eine Medaille sollte es schon sein."

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