Im Fußball muss sich Magdeburg wohl oder übel noch geraume Zeit mit der vierten Liga herumschlagen. Im Boxen allerdings will es die Landeshauptstadt demnächst nicht unter der Champions League machen. Das zumindest ist die Auffassung von SES-Promoter Ulf Steinforth, der gestern sein bisher ehrgeizigstes Projekt präsentierte. Am 9. April kommt es in der Bördelandhalle, so Steinforth, "zum ersten Mal in der Boxgeschichte überhaupt zu einem Duell zweier deutscher Weltmeister".

Magdeburg. Unter dem Kampfmotto "Es kann nur einen geben – das Duell der Champions" fordert im Aufeinandertreffen zweier Supermittelgewichts-Weltmeister der Hamburger Dimitri Sartison (Weltverband WBA) Lokalmatador Robert Stieglitz (WBO) heraus. Sat.1, der neue TV-Partner von SES, wird den WM-Kampf live übertragen.

Er bekomme jedes Mal aufs Neue ein "Gänsehaut-Feeling", wenn er über den Fight nachdenke, schwelgte der Veranstalter gestern in Superlativen. "Einen solchen Kampf hat es in Magdeburg noch nicht gegeben, selbst wenn man die Auftritte von Ottke und Regina Halmich einbezieht." Stieglitz gegen Sartison, das sei "ganz großes Kino", ein "Hammerfight".

Angaben über den finanziellen Rahmen des Abends wollte der SES-Chef nicht machen, räumte aber auf Nachfrage ein, dass er sich damit "finanziell sehr weit aus dem Fenster lehnt". Ein großer Kampf verlange aber eben auch ein großes Budget.

Während andere Veranstalter immer nur von großen Duellen deutscher Boxer untereinander redeten, so Steinforth, "handeln wir". SES lege seit jeher Wert auf guten Sport, "was wir jetzt bieten, das ist Champions League".

Beide Weltmeister gaben sich gestern vor Journalisten optimistisch, sich – bei allem Respekt vor dem Gegner – am Ende durchsetzen zu können. Wobei leichte Vorteile für den Lokalmatador nicht zu übersehen sind. Er boxt "in meinem Wohnzimmer, der Bördelandhalle" (Stieglitz), er hat den Titel bereits dreimal erfolgreich verteidigt, er hat wahrscheinlich die bessere augenblickliche Form. Denn der aus Kasachstan stammende Sartison, der einst für das in Auflösung begriffene Universum-Team in den Ring kletterte, hat eine dreivierteljährige Wettkampfpause hinter sich.

Als Nachteile wollte dies der 31-Jährige, der einst schon als Amateur Kämpfe für den damalgen zweifachen deutschen Mannschaftsmeister 1. BC Magdeburg (Präsident seinerzeit: Ulf Steinforth) bestritt, allerdings nicht gewertet wissen. Sartison: "So hatte ich genügend Zeit, mich auf die Auseinandersetzung vorzubereiten, es gibt keinerlei Ver-schleißerscheinungen."

"Es kann nur einen Champion geben"

Stieglitz machte zunächst einen artigen Diener vor seinem Kontrahenten ("Jeder, der Weltmeister ist, ist ein sehr starker Mann"), um dann diplomatisch hinzuzufügen: "Der Bessere soll im Ring gewinnen."

Aber auch der 29-Jährige, der zurzeit von allen deutschen Spitzenboxern wahrscheinlich die attraktivsten Gefechte abliefert, verfolgt klare Ziele: "Ich will gegen die Besten der Besten boxen. Denn es kann nur einen Champion geben."

Sein Promoter eröffnet ihm jetzt gegen Sartison, der von seinen 28 Kämpfen nur einen verloren hat (2008 gegen den dänischen Ex-Weltmeister Mikkel Kessler), eine erste Möglichkeit. Allerdings: Das Risiko trägt Stieglitz allein. Weil Sartisons Verband etwas gegen einen offiziellen Vereinigungskampf hat, geht es am 9. April nur um den WBO-Gürtel.