Reykjavik (dpa). Deutschlands Handballer haben ihren Abwärtstrend fortgesetzt und müssen um die EM-Teilnahme im nächsten Jahr zittern. Im Qualifikationsspiel gegen Island verlor die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) gestern Abend in Reykjavik mit 31:36 (14:21) und wartet damit weiter auf den ersten Sieg in Island seit 1992. Den Spielern um Kapitän Pascal Hens hilft nun nur ein Erfolg im Rückspiel am Sonntag (17.45 Uhr/Eurosport) im westfälischen Halle, um die EM-Teilnahme aus eigener Kraft schaffen zu können.

Vor 5500 Zuschauern stemmte sich das deutsche Team zwar nach einem Neun-Tore-Rückstand beim 17:26 (39.) gegen ein drohendes Debakel, konnte das Blatt aber nicht mehr wenden. Im ersten Spiel nach Platz elf bei der WM in Schweden waren Michael Kraus und Lars Kaufmann (je 4) beste deutsche Torschützen. Für Island traf Gudjon Valur Sigurdsson zwölfmal.

In der Qualifikation für die EM 2012 muss die deutsche Mannschaft mindestens Zweiter der Gruppe 5 werden, um in Serbien dabei zu sein. Im Juni folgen noch je ein Spiel gegen Österreich und Lettland.

In der wichtigen Partie musste die deutsche Mannschaft auf Holger Glandorf verzichten. Der Lemgoer Rückraumspieler blieb zu Hause bei seiner Frau Christin, die das zweite gemeinsame Kind erwartete. Zudem fehlte aus dem Kader, der vor fünf Wochen die direkte Qualifikation für ein Olympia-Ausscheidungsturnier verspielt hatte, Torhüter Johannes Bitter. Der Hamburger gönnt sich aus familiären Gründen eine Auswahlpause.

Doch auch ohne das Duo war die deutsche Mannschaft dem spielstarken Gastgeber eine Viertelstunde lang ebenbürtig. Dann aber steigerte sich Islands Schlussmann Björgvin Gustafsson. Der künftige Magdeburger Bundesliga-Torhüter parierte die Würfe selbst freistehender deutscher Spieler. Nach dem 8:8 (16.) wurde die DHB-Auswahl dadurch ein ums andere Mal ausgekontert und geriet mit 9:14 (21.) ins Hintertreffen.

Auch eine Auszeit von Brand brachte keine Besserung. Vielmehr bekam die deutsche Abwehr den starken Spielmacher Aron Palmarsson nicht in den Griff. Der Kieler warf allein in der ersten Halbzeit sechs Tore und hatte neben Konterspezialist Sigurdsson von Rhein-Neckar Löwen wesentlichen Anteil daran, dass die DHB-Auswahl zur Pause mit 14:21 zurücklag.

Zu diesem Zeitpunkt war jeglicher Optimismus im deutschen Lager auf einen Sieg oder wenigstens einen Punktgewinn verflogen und kehrte trotz zwischenzeitlich verkürzten Rückstandes beim 23:27 (47.) auch nicht mehr zurück.

Unmittelbar vor der Partie hatte Heiner Brand seine Zukunft als Bundestrainer erneut weiter offen gelassen. "Dazu möchte ich im Moment keinen Kommentar abgeben", sagte der Gummersbacher in seinem ersten Interview seit vier Wochen.