Der vor Saisonbeginn mit viel Vorschusslorbeeren bedachte Trainer Ruud Kaiser muss mit hoher Wahrscheinlichkeit nach nur 259 Tagen seinen Stuhl beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Magdeburg wieder räumen. Gestern Abend trafen sich die Verantwortlichen (Aufsichtsrat und Präsidium) zu einem Krisengipfel, wo das Votum vermutlich klar gegen den 50-jährigen Holländer ausgefallen sein dürfte.

Magdeburg. Neuer Chef auf der Kommandobrücke wird wohl der bisherige Coach der U 23, Wolfgang Sandhowe. Offiziell bekannt gegeben soll der Trainerwechsel erst heute werden, damit es die Spieler nicht aus den Medien erfahren.

Der Club dürfte die Reißleine gezogen haben, weil die von Kaiser mehrfach prognostizierte Wende nicht eingetreten und der Club noch tiefer in den Abstiegsstrudel geraten war. Aus den sieben Spielen nach der Winterpause holten die Elbestädter nur sechs von 21 möglichen Punkten (ein Sieg, drei Remis, drei Niederlagen), erzielten in fünf Begegnungen gar keinen und insgesamt nur drei Treffer. Auch mit den beiden Neuzugängen, Kosta Rodrigues und Shergo Biran, wurde es (bislang) nicht besser. Ganz bitter stieß am vergangenen Sonntag die 0:2-Heimpleite gegen den VFC Plauen auf, bei der es so aussah, als ergebe sich die Mannschaft in ihr Schicksal. Noch-Präsident Volker Rehboldt sprach hinterher von "einer leblosen Vorstellung".

Zum Verhängnis dürften dem Trainer auch seine Statements geworden sein, der schwache Leistungen häufig schönredete.

Damit liegen beim Club Anspruch und Wirklichkeit wieder einmal meilenweit auseinander. Vor Saisonbeginn hatte es geheißen, Kaiser solle ein Team aufbauen, das sich im ersten Jahr kontinuierlich weiterentwickelt und dann im zweiten oben mitspielt. Doch der Schuss ging nach hinten los. Die Blau-Weißen müssen mehr denn je um den Klassenerhalt bangen, haben als Tabellen-14. nur noch zwei Punkte Vorsprung gegenüber dem ersten Abstiegsplatz.

Vielleicht ist Sandhowe da genau der richtige Mann. Zwar läuft es mit der eigenen U 23 auch nicht nach Wunsch, geht es auch hier ums Überleben, doch der 57-Jährige gilt als "harter Hund" und ist "mit einer Mannschaft noch nie abgestiegen."

"Ich bin noch nie abgestiegen"

Sandhowe, der noch in der vergangenen Saison Lok Stendal trainierte, betonte zwar immer wieder, dass er ein gutes Verhältnis zu Kaiser habe, machte aber auch nie ein Hehl daraus, dass er für den Trainerposten der ersten Mannschaft zur Verfügung stehe, wenn man ihn dann fragen sollte. Das haben nach Volksstimme-Informationen der künftige Präsident Peter Fechner und Ex-Vize Guido Nienhaus inzwischen getan. Auch dieses Vorgehen lässt darauf schließen, dass die Zeit für den Holländer beim FCM abgelaufen ist. Gestern beim Training unter Kaiser deutete allerdings noch nichts darauf hin. Torhüter Matthias Tischer: "Wir haben nichts gehört, sondern normal trainiert und wissen auch nur von einer Krisensitzung."