Magdeburg. In Uerdingen gibt man sich seit Tagen verschlossen der Öffentlichkeit gegenüber, zumindest der Magdeburger. Unzählige Anrufe mit Nachrichten-übermittlung durch die Mailbox haben Pia Schledorn bis gestern nicht dazu veranlasst, einen Rückruf zu unternehmen.

Die erste Trainerin unter Herren überhaupt in der Wasserball-Bundesliga ist sicher keine scheue Person, dazu klingt ihre Stimme auf dem Anrufbeantworter viel zu bestimmt und souverän. Es gibt also nur die beiden anderen Möglichkeiten: Frau Schledorn hat gar kein Interesse an einer Unterhaltung, oder Frau Schledorn befürchtet, sich zu sehr in die Karten schauen zu lassen. Sie wird sich einiges ausgedacht haben für das erste Playoff-Spiel um den Einzug in die Gruppe A morgen in der Magdeburger Elbeschwimmhalle, wenn Bayer um 18 Uhr von WUM empfangen wird. Drei Siege aus maximal fünf Duellen sind nötig für den Aufstieg. Am kommenden Wochenende spielen die Magdeburger zweimal in Uerdingen.

Was Frau Schledorn nun an taktischen Überraschungen zu bieten hat, darüber macht sich WUM-Coach Vlad Hagiu keine Gedanken. "Ich habe schon so viele wichtige Spiele in meiner Karriere gemacht, ich bin da ganz ruhig, weil ich an die Mannschaft glaube", erklärte der Coach. "Wir haben in den vergangenen Monaten eine sehr gute Arbeit gemacht." Am Wochenende konnte Hagiu im Trainingslager mit Poseidon Hamburg, das gegen den Abstieg aus der B-Gruppe kämpfen muss, viele Dinge probieren, zumal der komplette Kader zur Verfügung stand – und morgen stehen wird. "Die Mannschaft ist motiviert", erklärt Hagiu außerdem sein gutes Gefühl. Und doch betont er: "Uerdingen ist ein gutes Team, das wir respektieren müssen, Uerdingen ist der Favorit."

Das macht Hagiu natürlich nicht am Abschneiden des Teams in der Gruppe A fest, nur einen Sieg holte Bayer in der abgelaufenen Vorrunde, es kassierte 15,5 und es markierte 6,5 Treffer im Schnitt – und belegte den letzten Platz. Hagiu erklärt sich die Qualität des Gegners insbesondere mit diesem Namen: Tim Wollthan hat bei Olympia 2008 den fünften Platz mit dem Nationalteam erreicht und kann 29-jährig auf drei Welt- und zwei Europameisterschaften zurückblicken. Das ist auch ein Grund für das Unverständnis der WUM, dass sie überhaupt gegen Bayer, in den vergangenen Jahren immer Dritter am Saisonende, antreten muss.

Hagiu hat vieles einstudiert im Trainingslager mit Poseidon, er hat Verteidigung und Über- und Unterzahlspiel geübt. Und er hat alle möglichen Akteure auf allen möglichen Positionen beobachtet. "Gegen Uerdingen", sagt Hagiu nämlich, "brauche ich auch zwei oder drei Überraschungen."