Magdeburg. Pressekonferenzen vor Box-WM-Kämpfen sind anderswo oft die Stunde großer oder großmäuliger Worte. Magdeburg macht da seit jeher ein Ausnahme. Hier herrscht in der Regel Harmonie, hier fällt kaum ein Begriff so oft wie der des gegenseitigen Respekts.

Gestern, beim Showdown vor dem Supermittelgewichts-WM-Fight am Sonnabend in der Bördelandhalle (Sat.1 live 22.15 Uhr) zwischen dem Magdeburger WBO-Titelverteidiger Robert Stieglitz und dem gebürtigen Armenier Khoren Gevor blitzte zumindest aus dem Lager des Herausforderers so etwas wie verbale Angriffslust auf.

Manager Peter Schulze spöttisch zu SES-Champion Robert Stieglitz: "Du wirst bis zum Sonnabend noch so manche schlaflose Nacht haben. Aber ich bringe gern ein paar Schlaftabletten vorbei." Und sein Schützling – der kurzfristig für den verletzten Dimitri Sartison eingesprungen und eigentlich auf einen WM-Ausscheidungskampf auf der Insel eingestellt war – meinte: "Ich habe mich für England vorbereitet, da wird es für Deutschland doch noch reichen."

Die Angesprochenen blieben cool, ganz cool. Stieglitz tat so, als habe er die Spitzen gar nicht gehört und meinte nur: "Gevor ist kein schlechter Mann. Auf einen Rechtsausleger wie ihn war ich zwar nicht vorbereitet, aber ich muss ohnehin beweisen, dass ich der Champion bin. Und das werde ich auch tun."

Sein Trainer Dirk Dzemski wurde schon deutlicher: "Von der Physis her ist Robert ein anderes Kaliber als Gevor. Er boxt in einer anderen Liga. Das wird Gevor im Ring schon noch merken."

Auch in der ungewohnten Rechtsauslage – von den bisher 42 Stieglitz-Kontrahenten boxten nur zwei diesen Stil – sieht der Coach kein größeres Problem: "Das macht die Sache vielleicht ein wenig komplizierter, aber das bekommen wir hin. Robert ist auf einem Level, wo er so etwas wegsteckt."

Ob er als ehemaliger Rechtsausleger selbst mit seinem Schützling in dieser Woche noch in den Ring steige, wird Dzemski gefragt. Seine kategorische Antwort: "Nein. Ich habe doch keine Lust, mich von ihm verhauen zu lassen." Stieglitz: "Wir werden die nächsten Tage noch nutzen, uns darauf einzustellen. Dirk kennt da so manchen Trick."

Auch Promoter Steinforth, der nach der Sartison-Absage einige schlaflose Nächte hinter sich hat, gefällt die neue Konstellation immer mehr: "Gevor ist keine Notlösung. Vielleicht ist mit ihm sogar noch ein bisschen mehr Spannung drin als das bei Sartison der Fall gewesen wäre. Auf jeden Fall wird es ein toller Kampf, bei dem die Tagesform entscheidet."