Köln (SID). Der Überlebenskampf im Haifischbecken Fußball-Bundesliga hat Frank Schaefer zermürbt. Verbittert und innerlich zerrissen von der "Maulwurfaffäre" und den Diskussionen über sein Privatleben hat der Trainer des 1. FC Köln nach nur einem halben Jahr aufgegeben.

"Gründe im persönlichen Bereich" nannte er gestern für seinen Rücktritt zum Ende der laufenden Spielzeit: "Ich hatte das Gefühl, dass ich den Verein be- laste – deshalb bin ich zum Präsidium gegangen." Immer wieder hatte er in den vergangenen Tagen erklären müssen, ob sein christlicher Glaube für einen Bundesliga-Trainer hinderlich sei. Selbst aus seinem ehemaligen Bibelkreis wurden Personen zitiert. Zudem sickerten aus der Mannschaftskabine Interna an die Presse durch – Frank Schaefer nutzte deshalb die Pressekonferenz auch dazu, um den Spielern die Leviten zu lesen.

"Die letzten sechs Monate waren sehr intensiv und haben mich viel Kraft gekostet, vor allem durch die Intensität, mit der ich diesen Job lebe", sagte der 47-Jährige: "Mit meiner Entscheidung will ich einen Grundstein dafür legen, dass das Team im Kampf um das Erreichen des Klassen-erhaltes keine Ausreden mehr hat." Dann ging er mit gesenktem Kopf.

Die Vereinsbosse waren fassungslos und gestanden ein, "keinen Plan B" zu besitzen, obwohl sich der Abschied seit Tagen abgezeichnet hatte. "Ich habe nicht für möglich gehalten, dass jemand private Gründe nennt, um diesen Job aufzugeben", sagte Präsident Wolfgang Overath: "Wir haben alles versucht, Frank davon zu überzeugen, dass er der Beste für den 1. FC Köln ist."

Sportdirektor Volker Finke bezeichnete Schaefers Entschluss als "sehr mutig und außergewöhnlich". Dann beeilte er sich hinzuzufügen: "Ich stehe definitiv nicht als Trainer zur Verfügung."

Die Vermutung lag nahe, schließlich hat Finke ja einst aus dem Strandkorb heraus den SC Freiburg zu großen Erfolgen dirigiert – und, wie bereits geschrieben, es fehlt ja der Plan B. "Wir haben mit noch niemandem gesprochen", versicherte Finke.

Als Kandidat für die Nachfolge Schaefers, der dem FC höchstwahrscheinlich als Trainer der U 23 erhalten bleibt, gilt vor allem Michael Skibbe, der angeblich am Freitag bereits zu Vertragsgesprächen in Köln weilte.