Beim akut abstiegsbedrohten Fußball-Regionalligisten 1. FC Magdeburg jagt eine (Krisen)-Sitzung die andere. Am Montag traf sich das Präsidium, gestern Vormittag gab es eine weitere Zusammenkunft in der MDCC-Arena, am Abend tagten dann noch einmal Aufsichtsrat und Präsidium, wo auch über den neuen sportlichen Leiter entschieden werden sollte (Ergebnisse lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor).

Magdeburg. Der neue FCM-Präsident Peter Fechner wirkte gestern gestresst, gab sich zugeknöpft. Das dürfte nicht zuletzt am neuesten Störfeuer, der Ankündigung gewaltbereiter FCM-Fans, den Spielern angesichts ihrer schwachen Leistungen kräftig die Meinung zu geigen (Volksstimme berichtete), liegen.

"Wir versuchen alles, in dieser prekären Lage für Ruhe zu sorgen, der Mannschaft den Druck zu nehmen, sie abzuschirmen – und dann so etwas", schüttelte der 56-Jährige verständnislos den Kopf, lehnte es aber ab, den Spielern bei ihren Übungseinheiten Sicherheitskräfte zur Seite zu stellen ("So weit gehen wir nicht").

Die Geschehnisse gestern gaben ihm Recht. Der Trainingsbetrieb verlief sowohl morgens als auch am Nachmittag störungsfrei. Dennoch ist das Thema damit für Fechner noch nicht erledigt, weil er befürchtet, dass sich Trittbrettfahrer animiert fühlen könnten, auf ähnlich aggressive Weise vorzugehen.

Zu den gegen FCM-Kicker erhobenen Vorwürfen seitens der Anhänger (Volksstimme berichtete) erklärte Trainer Wolfgang Sandhowe: "Ich gebe nichts auf irgendwelche Vorverurteilungen und werde auch in Zukunft keine Kontrollen durchführen. Wenn sich allerdings herausstellen sollte, dass etwas Wahres dran ist, haue ich gnadenlos dazwischen."

Morgens hatten sich Sandhowe, Fechner, Vize-Präsident Hagen Hoffmann, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, Carsten Müller, und Kapitän Daniel Bauer ("Ich möchte im Moment nichts sagen") zu einem knapp dreistündigen Meinungsaustausch in der FCM-Loge getroffen. Über nähere Inhalte wollte Fechner keine Auskunft geben, sagte nur: "Wir werden alles versuchen, den Verein in der Regionalliga zu halten."

Wenn das nicht gelingt, will der Präsident dennoch an Bord bleiben. "Dann werde ich das sinkende Schiff trotzdem nicht verlassen", kündigte er an, der sich nach der 1:2-Heimpleite gegen Havelse den wütenden Fans gestellt und damit Flagge gezeigt hatte. Sein Eindruck: "Viele haben panische Angst davor, dass ,ihr‘ FCM im Nirvana verschwindet."

Sandhowe sagte über das Treffen: "Es war ein unheimlich positiver Gedankenaustausch. Alle ziehen an einem Strang." Und weiter: "Wir werden uns nach dem Donnerstag-Training zurückziehen und in einem kleinen Hotel Quartier beziehen. Alles ist jetzt auf das Auswärtsspiel bei Türkiyemspor fokussiert (Freitag, 19 Uhr).

Der gegen Havelse am Knie verletzte Vize-Kapitän Stephan Neumann wird bekanntlich nicht dabei sein und auch anschließend gegen Eintracht Braunschweig II fehlen, hofft aber, zumindest in der letzten Partie am 28. Mai gegen Holstein Kiel (Neumann: "Da geht‘s dann wahrscheinlich um alles") wieder mitwirken zu können.

Übrigens: Was den sportlichen Leiter anbetrifft, kann der Club einen Namen von der Liste streichen – den von Jens Rehhagel. Der Nachwuchs-Koordinator bei Hannover 96 soll Anfang der Woche abgesagt haben. Dafür taucht seit der überraschenden Entlassung am Montag in Meuselwitz ein neuer Name auf – Damian Halata. Der 48-Jährige wurde bereits in Magdeburg gesehen und könnte durchaus ein Trainerkandidat für 2011/12 sein.