Magdeburg. Den Namen Stefan Nebel darf man eigentlich nicht vergessen, denn der Mann hat seinen Platz in der Historie der Internationalen Deutschen Motorrad-Meisterschaft (IDM) ja längst gefunden. Nebel gewann die Meisterschaft nämlich schon zweimal, 2003, seinem Debütjahr, auf einer Suzuki, 2005 auf einer Yamaha. Trotzdem haben sie ihm auf der Veranstalter-Homepage im Internet unter insgesamt 96 Fahrerporträts keinen Eintrag gewidmet. Die Kurzvita liest sich so: Nebel, KTM-Pilot, Nummer neun, geboren in Velbert, 30 Jahre, Kfz-Mechaniker – in der diesjährigen Serie wieder ein Favorit auf den IDM-Titel.

Dieser Rolle wäre er noch viel gerechter geworden, wenn es bei der zweiten Saisonveranstaltung am Sonntag in der Motorsport Arena in Oschersleben nicht diesen Unfall in Runde sechs des ersten Laufes gegeben hätte, als Nebel mit Dario Giuseppetti (Ducati) kollidierte. Beide stürzten und mussten jegliche Hoffnungen auf Meisterschaftspunkte begraben. Am Start des zweiten Laufes sah man sie nämlich nicht mehr. "Ich weiß nicht, ob der Sturz zu diesem frühen Zeitpunkt des Rennens notwendig war", sagte Matej Smrz (Tschechien), der von der Pole Position in beide Läufe gestartet war und sie dann auch auf Rang eins beendet hatte.

Im Kampf um den Sieg gibt es womöglich keinen richtigen Zeitpunkt für ein Überholmanöver, wenn man seiner etwa 200 PS starken Maschine vertraut, sie auf eine Höchstgeschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde treibt – und Martin Bauer aus Österreich auf seiner KTM trotzdem nur hinterherschaut. Bauer ist auch in Oschersleben ein IDM-Phänomen, vor einigen Jahren ist er mit brutaler Erkältung auf den 3,667 Kilometer langen Runden zum Sieg gefahren und mit aschfahlem Gesicht danach halbwegs von seinem Motorrad gefallen. Nach dem Unfall von Nebel und Giuseppetti und vor dem erforderlichen Re-Start durfte Yahama-Pilot Jörg Teuchert (Hersbruch) ein wenig schwärmen über Bauer: "Der Speed von Martin ist unglaublich." Teuchert sah im ersten Rennen die Strecke nicht mehr, noch bevor die Ampel auf Grün schaltete, musste er sein Motorrad mit Elektronikschaden abstellen.Nur andere Mächte können diesen Bauer aus Eggendorf, der selbst den Titelgewinn als Ziel ausgegeben hat, in dieser Serie stoppen – Mächte namens Reifenschaden zum Beispiel, der dem zweimaligen IDM-Sieger vier Runden vor Schluss den ersten Rang im ersten Rennen kostete. Im zweiten Lauf wurde der 35-Jährige Dritter, mit Smrz bildet er nach zwei von acht Wettbewerben das Spitzenduo im Gesamtklassement.

Am Ende lachten also nicht die Favoriten, sondern zum Beispiel ein IDM-Debütant – Michael Ranseder aus Österreich, der Zweiter des ersten Durchgangs wurde. "Ich bin gut gestartet und habe einen guten Rhythmus gehabt", erklärte der 25-jährige BMW-Pilot. Leicht zu finden war er nicht nur bei der anschließenden Siegerehrung, sondern auch auf der Veranstalter-Homepage – als eines der 96 Fahrerporträts.