Frankfurt/Main (dpa/rb). Auf der Auswahl der 21 neuen Sport-Größen aus Ost und West für die von der Stiftung Deutsche Sporthilfe gegründete "Hall of Fame" des deutschen Sports liegt ein Schatten.

Nach der Kritik des Doping-opfer-Hilfevereins (DOH) verzichtete die 28-köpfige Jury mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich an der Spitze auf die Berufung des ehemaligen Radstars Gustav-Adolf "Täve" Schur (Heyrothsberge), nahm aber die Sprint-Olympiasiegerin Renate Stecher (Jena) in den Kreis der Auserwählten auf.

Der Landessportbund Sachsen-Anhalt, deren Ehrenpräsident Schur ist, zeigte sich gestern "verwundert und enttäuscht" von der Jury-Entscheidung. Wenn die "Hall of Fame" der Erinnerung an Menschen gewidmet sei, die im Sport Geschichte geschrieben haben, erklärte LSB-Präsident Andreas Silbersack, so frage er sich ernsthaft, "wer, wenn nicht Gustav-Adolf Schur, erfüllt genau diese Kriterien".

Der frühere Rad-Weltmeister sei, so betont der LSB, zudem als Ehrenpräsident seit 1990 unermüdlich für die ehrenamtliche Arbeit im Sport im Einsatz.

Schur selbst war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der DOH hatte die beabsichtigte Aufnahme der beiden DDR-Stars Schur und Stecher als "Irrweg" bezeichnet und bei der "Hall of Fame" die "völlige Geschichtslosigkeit" beklagt. Mit den 21 neuen Mitgliedern, die von 1945 bis zu den Olympischen Spielen von 1972 in München im Sport Herausragendes geleistet haben, ist die Ruhmeshalle auf 66 Sport-Persönlichkeiten erweitert worden.

Neu aufgenommen wurden u.a. die Eiskunstlauf-Legenden Marika Kilius/Hans-Jürgen Bäumler, Skisprung-Legende Helmut Recknagel, Wasserspringerin Ingrid Krämer-Gulbin, Turnerin Karin Büttner-Janz, Eisschnelllauf-Olympiasieger Erhard Keller und Georg Thoma (Nordische Kombination).

Einen Ehrenplatz erhielt auch der frühere Torwart Bernd Trautmann, der als erster Deutscher zum Fußball-Star in England wurde.

Außerdem sind neun außergewöhnliche Leichtathleten – Heide Ecker-Rosendahl, Ulrike Meyfarth-Nasse, Lieselotte Westermann-Krieg, Heinz Fütterer, Armin Hary, Willi Holdorf, Martin Lauer, Klaus Wolfermann und Renate Stecher – in die "Hall of Fame" gewählt worden.

Die Aufnahme der dreifachen Olympiasiegerin Stecher, sie lief als erste Frau über 100 Meter unter 11,0 Sekunden, wird von den DDR-Doping-Geschädigten kritisiert. Trotz Doping-Missbrauchs habe Renate Stecher, geborene Meißner, "ihre vergiftete Vergangenheit" kategorisch verleugnet, lautete der Vorwurf des DOH. Ebenso hatte der DOH die geplante Wahl von Täve Schur abgelehnt, weil er als "hochdekorierter Sportheld" auch eine "zentrale Propagandafigur des kriminellen DDR-Sports" gewesen sei.

"In der Sache ist es inkonsequent, Schur nicht und Stecher doch aufzunehmen. Positiv gesehen: Die Sporthilfe war unseren Argumenten nicht unzugänglich", sagte DOH-Sprecherin Ines Geipel.