Seit dem 23. Februar ist Dr. Lutz Petermann neuer Aufsichtsratschef des 1. FC Magdeburg. Volksstimme-Redakteur Uwe Tiedemann sprach mit dem 47-jährigen Vorsitzenden der Geschäftsführung der FAM Magdeburger Förderanlagen und Baumaschinen GmbH über die sportliche Krise des Fußball-Regionalligisten.

Volksstimme: Herr Petermann, wie beurteilen Sie die gegenwärtige Situation?

Lutz Petermann: Die Lage ist prekär. Man kann nur hoffen, dass die Mannschaft in den verbleibenden drei Spielen die Kurve kriegt und eine andere Leistung an den Tag legt als beim 1:2 gegen Havelse.

Volksstimme: Haben Sie das Spiel vor Ort verfolgt?

Petermann: Ja.

Volksstimme: Und – war die Vorstellung der bisherige Tiefpunkt?

Petermann: Das war er. Ich habe an diesem Tag mehrfach das Wort Offenbarungseid in den Mund genommen.

Volksstimme: Wo sehen Sie die Gründe für die Talfahrt?

Petermann: Ich vermute, es hängt in erster Linie mit Ex-Trainer Ruud Kaiser zusammen, der die nötige Härte gegenüber der Mannschaft hat vermissen lassen und sie auch nicht entsprechend motivieren konnte. Letztlich muss man also konstatieren, dass sich der Verein, was die Personalie Ruud Kaiser anbetrifft, geirrt hat.

Volksstimme: Nun steht der FCM kurz vor der Verpflichtung eines neuen Sportdirektors (nach Volksstimme-Informationen handelt es sich dabei um Detef Ullrich), von dem man sich eine Menge verspricht ...

Petermann: Ob er der Richtige ist, weiß man immer erst hinterher. Es ist aber diesmal anders gelaufen. Präsidium und Aufsichtsrat haben diesbezüglich sehr eng zusammengearbeitet und ihn gemeinsam ausgewählt. In der Vergangenheit sah es häufig so aus, dass Personalentscheidungen durch das Präsidium längst getroffen waren und sie der Aufsichtsrat nur noch abgenickt hat.

Volksstimme: Das klingt so, als ob jetzt vieles besser wird ...

Petermann: Wenn die erste Mannschaft keine Tore schießt, ist trotzdem alles infrage gestellt.

Volksstimme: Es droht in der Tat der Absturz in Liga fünf. Hat der Verein dafür einen Plan B in der Schublade?

Petermann: Wir sind gerade dabei, einen solchen Plan zu erarbeiten und einen wirtschaftlichen und finanziellen Kassensturz zu machen, um zu sehen, wieviel Geld dann für die fünfte Liga noch zur Verfügung steht.

Volksstimme: Wie hart würde denn ein Abstieg den FCM treffen?

Petermann: Ich komme aus der Wirtschaft. Da beschäftigt man sich zwangsläufig mit Krisen. Und ich sage immer: Eine Krise bietet stets auch eine neue Chance. Es wäre der richtige Zeitpunkt, einen kompletten Umbruch vorzunehmen.

Volksstimme: Würden Sie in dem Fall trotzdem zur Stange halten?

Petermann: Nicht nur ich. Wir alle haben uns bei der letzten Sitzung des Aufsichtsrates und des Präsidiums dazu bekannt, im Amt zu bleiben – sofern es denn gewünscht ist.

Volksstimme: Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass der FCM nicht absteigt?

Petermann: Ich bin Realist. Die jüngsten Leistungen waren eher ernüchternd. Es ist mehr ein Hoffen als ein Überzeugtsein.

Volksstimme: Ihr Vorgänger Rüdiger Koch hatte den Namen des Ex-ZDF-Reporters Rolf Töpperwien als Berater ins Spiel gebracht, der möglicherweise neue Türen öffnen könnte.

Petermann: Auch hier kann ich nur sagen: Ich bin Realist, Koch ist Politiker. Wir brauchen niemanden, der Türen öffnet. Was wir brauchen, sind saubere Strukturen und eine kompetente sportliche Leitung.

Volksstimme: Noch eine Frage zur wirtschaftlichen Situation. Wie ist es da um den FCM bestellt?

Petermann: Die hat sich keinesfalls verschlechtert. Das ist auch daran zu erkennen, dass die neue Lizenz noch nie so problemlos wie jetzt erteilt wurde. Ich hoffe natürlich, dass in der Zukunft nicht noch weniger als durchschnittlich 3500 Zuschauer die Heimspiele besuchen.