Von Daniel Hübner

Magdeburg. 1:56 Minuten können im Handball eine verdammte Ewigkeit dauern: Andreas Rojewski hat für den Bundesligisten SC Magdeburg am Sonntag beim TSV Hannover-Burgdorf das Tor zum 24:24-Endstand erzielt, als jene Zeit noch zu absolvieren war.

Dann folgte ein unendlich langer Angriff des Gastgebers, der unter anderem in einer Parade von Keeper Dario Quenstedt endete. Dann folgten 20 Sekunden Hoffnung auf einen Sieg bis zur Schlusssirene, die wiederum in der Abwehr des letzten Wurfes durch Torwart Nenad Puljezevic endeten. "Wir wurden mit einem Punkt belohnt", erklärt dennoch Rojewski, der mit vier Toren neben Robert Weber der beste SCM-Werfer war. Belohnt für einen Kampf, der nach einem Fehlstart in der zweiten Hälfte und zwischenzeitlichem 20:15 (42.) erst richtig begonnen hatte.

Das Problem, das noch zu häufig auftritt, war nicht der Mangel an Chancen, sondern die Effektivität ihrer Verwertung. "Das ist so ein Wechselspiel", sagt Rojewski, und erklärt es anhand der Beispiele Thierry Omeyer vom THW Kiel und eben Puljezevic vom TSV. Omeyer "haben wir aus dem Spiel geschossen" beim 30:24-Sieg vor zwei Wochen, und Puljezevic gehörte letztlich zu den Torhütern, die gegen den SCM "einen Sahnetag erwischt" haben. Hinzu kam, dass Hannover "seine Hausaufgaben gemacht" und entsprechende Mittel gegen Rückraum Mitte, also gegen Stian Tönnesen, gefunden hatte. Aber dann gab es noch die SCM-Fans, weiß Rojewski, die "waren ein sehr wichtiger Faktor, der uns noch einmal ins Spiel gebracht hat".

Was der Linkshänder für sich behaupten kann, ist, während der Partie nicht an den europäischen Wettbewerb zu denken, sondern sich ganz auf die Begegnung zu konzentrieren. Und wenngleich am Sonntagabend die Presse-agenturen dieses Remis als einen "herben Rückschlag" im Kampf um den EHF-Platz deklarierten, ist das Ergebnis weit vom Rückschlag entfernt. Rojewski sagt: "Natürlich schielen wir nach Flensburg und Göppingen", denn der SCM (40:22 Punkte) kann weiterhin von Rang sieben auf Platz sechs (Flensburg/40:22) oder fünf (Göppingen (44:20/ein Spiel mehr) rutschen. Und sollte Frisch Auf den EHF-Pokal gegen Großwallstadt (Hinspiel: 23:21) gewinnen, erhöht sich die Chance auf die Qualifikation.

Aber Rojewski erinnert auch gerne daran, woher der SCM aus der vergangenen Saison gekommen war, aus der Abstiegsregion nämlich. "Wir sind gut beraten, in kleinen Schritten und gesund zu wachsen", sagt der 25-Jährige. Und egal wie die Geschichte 2010/11 nach den folgenden drei Partien enden wird, "haben wir eine überdurchschnittliche Saison gespielt".