Der neue "Tournee-König" Thomas Morgenstern jubelte lautstark über die vorläufige Krönung seiner Erfolgskarriere, die deutschen Skispringer schlichen nach dem schlechtesten Ergebnis seit 19 Jahren auf leisen Sohlen davon.

Bischofshofen (dpa). Mit dem zweiten Platz hinter dem Norweger Tom Hilde vor 30 000 Fans im brodelnden Hexenkessel von Bischofshofen machte Morgenstern gestern den Sieg-Hattrick für Österreich bei der Vierschanzentournee perfekt und bescherte der Alpenrepublik bei der 59. Auflage den zwölften Gesamterfolg, für den er ein Auto im Wert von 28 000 Euro erhielt.

"Es war nicht einfach, loszulassen und den Wettkampf zu genießen. Es ist ein unglaubliches Gefühl. Danke an alle, die mir das ermöglicht haben. Es ist ein Wahnsinn", sagte Morgenstern und räumte ein: "Für mich ist das noch nicht real. Es waren brutale Emotionen. Daran werde ich mich ein Leben lang erinnern." Vierfach-Olympiasieger Simon Ammann aus der Schweiz, der Gesamtzweiter wurde, gratulierte fair: "Er war sensationell."

Die DSV-Springer verbuchten auf der Paul-Außerleitner-Schanze durch Michael Neumayer als Achter und Pascal Bodmer auf Rang zehn zwar einen achtbaren Abschluss, schafften es aber erstmals seit 1991/92 in der Gesamtwertung nicht in die Top Ten. Bester in der Endabrechnung war Michael Uhrmann auf Rang elf. "Es fehlen jedem Springer ein paar Meter, deshalb müssen wir den anderen beim Jubeln zuschauen", sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Schon mit dem ersten Versuch auf 136 Meter beseitigte Morgenstern die letzten Zweifel an seinem Gesamtsieg. Damit gewann er das direkte Duell mit Verfolger Ammann und baute seinen Vorsprung weiter aus. Im Finale segelte der "Überflieger" auf 135 Meter und damit nur knapp an seinem 21. Weltcupsieg vorbei. 1,6 Zähler fehlten auf Hilde, der 138 und 132 Meter weit sprang. Österreichs Chefcoach Alexander Pointner lobte den dreimaligen Olympiasieger und vierfachen Weltmeister: "Er ist cool geblieben. Es ist immer ein Geschenk, wenn ein Sportler seine Klasse ausspielt."

Während Andreas Kofler mit Rang drei die rot-weiß-rote Party perfekt machte, mussten die deutschen Springer zum Abschluss einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Uhrmann, in der Qualifikation noch Zweiter, schaffte es mit Mühe und Not als Fünfter der Lucky-Loser-Wertung in den zweiten Durchgang. Am Ende blieb mit 122 und 130 Metern der 16. Platz, wodurch der 32-Jährige aus Rastbüchl noch aus den Top Ten herausfiel.

"Der zweite Sprung hat etwas versöhnt, aber der Versuch in der Qualifikation hatte natürlich große Hoffnungen geweckt. Ich bin dennoch nicht unzufrieden, denn ich habe mich besser präsentiert als vor der Tournee", sagte der Team-Olympiasieger von 2002

Auch Severin Freund konnte sein Potenzial nicht ganz abrufen. Mit 124,5 und 126,5 Metern wurde er 13. und damit in der Endabrechnung Zwölfter. "Damit bin ich nicht unzufrieden", so der 22-Jährige aus Rastbüchl.

Neumayer und Bodmer hatten ihre Chancen in der Gesamtwertung schon vor dem Finale verspielt. Mit Sprüngen auf 128,5 und 127 Meter feierte der 31 Jahre alte Routinier aber ein versöhnliches Ende. "Das gefällt mir sehr gut. Es wäre eine schöne Tournee geworden, wenn ich in Innsbruck nicht gepatzt hätte. Aber es bringt nichts, dem nachzuweinen", resümierte Neumayer. Bodmer setzte mit 124,5 und 127,5 Metern seinen Aufwärtstrend zumindest fort.

Weiter auf Formsuche ist Martin Schmitt, der nur 24. wurde. Mit einem Sprung auf 124 Meter hatte er im ersten Durchgang das K.o. Duell der Altmeister gegen den fünfmaligen Rekordsieger Janne Ahonen aus Finnland zwar für sich entschieden, dann mit 119,5 Metern aber nicht nachlegen können. "Es läuft nicht ganz rund", meinte Schmitt. Richard Freitag landete mit 117,5 und 117 Metern auf Rang 28. Kein Happy End gab es auch für Stephan Hocke, der als 44. klar das Finale verpasste. Meinung