Oberstdorf (dpa). Mittlerweile reicht ein Kleinbus, um die deutsche Langlauf-Mannschaft zu transportieren. Als sich die Tour de Ski-Karawane gestern zur fünften Etappe von Oberstdorf nach Toblach auf den Weg machte, waren nur noch sechs DSV-Athleten dabei. Den Prolog am Silvestertag in Oberhof hatten 18 Deutsche in Angriff genommen. "So was ist mir noch nie passiert. Das ist keine einfache Situation, weder für die Athleten noch für uns Trainer", sagte Bundestrainer Jochen Behle, nachdem in Axel Teichmann (Bad Lobenstein) am Montag auch noch ein für das Tour-Finale vorgesehener Athlet mit muskulären Problemen ausgeschieden war.

Krankheiten, Verletzungen, Formkrisen – was sich seit Saisonbeginn im deutschen Lager abspielt, ist kaum noch zu erklären. Bislang steht bei den erfolgsverwöhnten Behle-Schützlingen ein vierter Platz von Nicole Fessel (Oberstdorf) in Kuusamo als bestes Resultat zu Buche. Das ist bislang das schlechteste Abschneiden seit 1998. Ein planmäßiges Training ist aufgrund der Ausfälle einfach nicht möglich. "Und das brauchst du, um an der Welt-spitze dranzubleiben", fügte der Coach hinzu.

Bis zur Weltmeisterschaft Ende Februar in Oslo ist nicht mehr viel Zeit. Und dort soll die Erfolgsserie der vergangenen Jahre fortgesetzt werden. "Doch dafür müssen wir jetzt bald in die Gänge kommen", forderte Behle. Ein schlechtes Zeichen muss die dezimierte Tour de Ski-Mannschaft nicht sein. Vor einem Jahr kam mit Katrin Zeller nur eine Läuferin auf der Alpe Cermis an, in Vancouver trumpften die Damen aber groß auf. "Das ist natürlich keine Garantie, aber es zeigt auch, dass die Zeit reicht, eine entsprechende Form aufzubauen", sagte Frauen-Trainer Janko Neuber.

Wie alle sucht auch er nach Gründen besonders für die Krankheitsmisere. "Vielleicht liegt es an der Wettkampfdichte zu Saisonbeginn. Die meisten international erfolgreichen Läufer haben auf Düsseldorf verzichtet, wir sind mit voller Kapelle angereist. Das könnte sich jetzt rächen", meinte Neuber, der gleichzeitig auf das wohl größte deutsche Dilemma verweist: "Uns fehlt der Unterbau. Wir haben die Arrivierten, die immer die Kohlen aus dem Feuer geholt haben. Doch wenn es da Ausfälle gibt, sind die derzeit kaum zu kompensieren."

Im Damen-Bereich wird deshalb in Richtung Oslo die erfolgversprechende "Biathlon-Variante" nicht ganz ausgeschlossen. "Wenn nichts geht, werden wir mit Miriam Gössner sprechen. Aber sie hat sich mittlerweile im Biathlon etabliert und ist dort auch WM-Kader. Das ist aber die allerletzte Lösung", so Neuber.