Oberhof (dpa). Tränen der Enttäuschung gestern bei den deutschen Frauen, Tränen der Freude am Vortag bei den Männern: Nach dem ersten Staffelsieg für die deutschen Biathleten seit mehr als vier Jahren musste sogar der sonst so coole Mark Kirchner um Fassung ringen. Mit feuchten Augen schluckte der neue Bundestrainer mehrfach und war glücklich über den unerwarteten Erfolg seiner Schützlinge vor Tschechien (+2:22,8 Minuten) und Norwegen (+2:24,0), die seit seinem Einstand bisher nur mäßige Leistungen im WM-Winter gezeigt hatten. "Der Sieg kam zum richtigen Zeitpunkt und war eine tolle Antwort des Quartetts auf die Kritik nach den größtenteils unbefriedigenden Ergebnissen bei den ersten drei Weltcups", stellte er zufrieden fest.

Auch wenn Kirchner nach außen die Ruhe bewahrte, hatte er doch große Erwartungen an seine Männer. "Bei der Mannschaftsbesprechung heute früh hat er uns gesagt, dass es wieder mal höchste Zeit für einen Sieg nach fast fünf Jahren sei", erzählte Christoph Stephan. "Ich hab‘ gedacht: Hat er vergessen, wo wir im Dezember rumgegurkt sind? Doch das Vertrauen der Trainer hat uns selbstbewusst gemacht", berichtete er.

Für Michael Greis war‘s ein Déjà-vu-Erlebnis. Wie bei den Weltmeisterschaften 2004 lief er mit der deutschen Fahne in der Hand als umjubelter Schlussläufer des deutschen Quartetts ins Ziel. "Die drei anderen haben mir wie vor sieben Jahren einen klaren Vorsprung mit auf den Weg gegeben. Das kann aber trügerisch sein. Da kann man viel falsch machen", sagte der dreimalige Olympiasieger, der auch 2006 in Turin den bis dato letzten deutschen Staffelsieg perfekt gemacht hatte

"Zumal die stürmischen Windböen auch für zahlreiche Strafrunden sorgten", fügte der Allgäuer an, der seinen Auftritt als "kontrolliertes Rennen" bewertete.

Insgesamt benötigten die 92 Staffelstarter 392 "Nachlader" und mussten 100 Mal in die Strafrunde.

Greis ließ sich von den Bedingungen aber nicht irritieren, nachdem Startläufer Stephan, Alexander Wolf und Arnd Peiffer fast zwei Minuten Vorsprung herausgelaufen hatten. "Ich wusste, dass die Mannschaft Potenzial hat, doch zugetraut hatte ich ihr das heute noch nicht", sagte der frühere Bundestrainer Frank Ullrich, Vorgänger von Kirchner.

Nach einem Strafrunden-Festival haben die deutschen Biathletinnen gestern dagegen den zweiten Staffelsieg der Saison in Oberhof klar verpasst. Magdalena Neuner & Co. mussten nach insgesamt neun Strafrunden mit einem enttäuschenden sechsten Platz zufriedengeben. "Ich kann mich nicht erinnern, wann wir schon einmal so schlechte Schießleistungen hatten. In den vergangenen 10, 15 Jahren auf jeden Fall nicht", sagte Cheftrainer Uwe Müssiggang nach dem schlechtesten Team-Ergebnis seit 2005.

Das erste Staffelrennen der Saison hatten die deutschen Damen in Hochfilzen noch gewonnen. Dieses Mal triumphierte Schweden über 4 x 6 Kilometer nach 1:17:53,1 Stunden vor Frankreich (+52,3 Sekunden) und Weißrussland (+1:31,4 Minuten). Deutschland hatte im Ziel 3:16,8 Minuten Rückstand.