Von Uwe Tiedemann

Berlin/Magdeburg. Ein intensiver Gedankenaustausch in ungewohnt offener, lockerer Atmosphäre machte am Montag das Schiedsrichter-Seminar des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS) im gut gefüllten Presseraum von Hertha BSC zu einem vollen Erfolg. Dabei gaben DFB-Schiri-Abteilungsleiter Lutz Michael Fröhlich (53) und FIFA-Referee Manuel Gräfe (37) einerseits interessante Zahlen zum Besten und kündigten andererseits an, zukünftig noch entschlossener gegen grobe Fouls vorzugehen.

Unterm Strich, so Fröhlich, war der DFB mit den Leistungen der Unparteiischen in der Hinrunde der 1. und 2. Liga zufrieden: "Wir hatten nur drei schwache Spieltage (3./13./15.). Insgesamt gab es 94 strittige Szenen. Davon wurden 44 absolut richtig entschieden, 14 brachten keine Aufklärung, 36 hätte man besser lösen können, und 10 waren nicht in Ordnung." Gräfe verwies darauf, dass seine Zunft allein in einem Spiel rund 220 Entscheidungen zu treffen habe.

Das Seminar "lebte" vor allem von den 32 Videoausschnitten, die Fröhlich mitgebracht hatte und die mitunter sehr differenziert beurteilt wurden.

Gräfe betonte, dass "neben Erfahrung und Regelwissen das Stellungsspiel das A und O eines jeden Schiedsrichters ist". Allerdings sei auch das Glück, richtig zu stehen, zu einer wichtigen Komponente geworden. Und das alles bei absoluter Fitness. "Ein Schiedsrichter läuft heute mehr als ein Spieler, z.B. sind es in der Champions League 12 Kilometer. Wir können uns halt nicht ausruhen und sagen, den Angriff mach ich mal gerade nicht mit ...", so Gräfe.

Ein Dorn im Auge ist den Unparteiischen der Angriff in den Gegenspieler mit gestrecktem Bein oder der Ellbogenstoß. "Das ist zu einer Unsitte geworden, die raus muss aus dem Fußball", forderte Fröhlich und stellte klar, dass die Referees (in der 1. Liga z. Z. 21 an der Zahl) angewiesen seien, in solchen Fällen sofort Rot zu zücken.

Bei der Bekämpfung solcher Vergehen bedarf es, so das DFB-Duo, einer noch besseren Zusammenarbeit auf dem Platz. "Gerade das vor eineinhalb Jahren eingeführte Headset muss sich noch besser einspielen", konstatierte Gräfe, der zudem an die mitunter übereifrigen Assistenten appellierte, sich mehr zurückzunehmen. Dagegen solle der 4. Offizielle noch aktiver eingreifen. "Das Wichtigste ist sein Blick auf das Spielfeld. Andere Dinge kann er auch später noch regeln", so Gräfe.

Problematisch seien dagegen Sanktionen auf Schauspielereien mancher Kicker nach eher harmlosen Fouls, weil es schwer sei, ihnen Simulation zu unterstellen.

Insgesamt aber, stellte Fröhlich erfreut fest, ist das Verhältnis zwischen Schiedsrichtern, Trainern und Spielern besser geworden. Das Seminar in Berlin dürfte dazu beigetragen haben, dass sich diese positive Tendenz bei aller gebotenen Distanz auch auf die Medien auswirken könnte.