Andrea Henkel hat der auf der Abfahrt gestürzten Biathlon-Königin Magdalena Neuner im Regenrennen von Ruhpolding die Show gestohlen. Als Zweite hinter der Russin Olga Saizewa verpasste die 33-Jährige gestern ihren 19. Weltcup-Sieg nur um 14,5 Sekunden.

Ruhpolding (dpa). Im strömenden Regen spielte die sechsmalige Weltmeisterin im 15-Kilometer-Einzel am Schießstand ihre ganze Routine aus. "Ich habe mir viel Zeit gelassen, um die Null zu schießen", sagte sie.

Neuner dagegen leistete sich vier Fehlschüsse und war als 16. nur drittbeste Deutsche. "Am Schießstand hat es nicht ganz so geklappt, wie ich es mir vorgenommen habe und dann kam der Sturz noch dazu. Das gibt bestimmt einen dicken blauen Fleck", sagte die zweimalige Olympiasiegerin. Trotz ihres Sturzes, bei dem sie sich eine leichte Schürfwunde am Oberschenkel zuzog, war sie in der Loipe wieder einmal die Zweitschnellste im Feld gewesen.

Laufbeste war jedoch die junge Miriam Gössner, die 31 Sekunden zügiger unterwegs war als ihre Teamkollegin. Gössner leistete sich allerdings ein halbes Dutzend "Fahrkarten" und beendete den Biathlon-Klassiker auf Platz 39. Viel besser waren Sabrina Buchholz auf Rang 13 und Juliane Döll als 17. in ihrem erst fünften Weltcup-Rennen.

Andrea Henkel demonstrierte vier Tage nach Platz zwei beim Massenstart in Oberhof auch beim nächsten Heim-Spektakel ihre Klasse. "Ich bin froh, dass ich wieder regelmäßig auf dem Podest stehe. Das macht Spaß", sagte die zweimalige Olympiasiegerin. Sie hatte vor 13 500 Zuschauern in der Chiemgau-Arena in den kritischen Augenblicken ihr Gewehr kurz abgesetzt und so die 20 Scheiben abgeräumt.

Mit knappem Rückstand auf Saizewa, die am Ende in 41:46,1 Minuten gewann, verließ sie letztmals den Schießstand. "Ich wusste, dass ich die fünf Sekunden nicht aufholen kann und habe den zweiten Platz gesichert", sagte sie. Nur Saizewa, die für den ersten russischen Sieg des Winters sorgte, und die Drittplatzierte Helena Ekholm aus Schweden waren von den Topläuferinnen mit dem Gewehr fehlerfrei geblieben bei dem Rennen unter widrigsten Witterungsverhältnissen.

Am Vormittag war sogar das Männertraining ausgefallen. Die Ruhpoldinger Feuerwehr pumpte das Wasser aus der Loipe. Eine Absage stand jedoch nicht zur Debatte. "Wenn es heißt, es wird gestartet, dann wird jeder am Start stehen", sagte Michael Greis. "Es ist alles noch o.k. Für die Verhältnisse sind es gute Bedingungen", sagte der dreimalige Olympiasieger.

Im Sprint will der Allgäuer heute wieder angreifen. Die Skijägerinnen starten dann am Samstag, ehe die Weltcup-Woche in der neuen Chiemgau-Arena am Sonntag mit der Verfolgung beendet wird.