Magdeburg/Norrköping. Seit Sonnabend hat für Robert Weber der Begriff "schnell" – zumindest im Bezug auf Handball – eine ganz neue Bedeutung: Japan. "Wahnsinn, so etwas habe ich noch nicht gesehen. Wenn in Zukunft einer zu mir als Außenspieler sagt, ich bin schnell, dann kann ich von nun an antworten: Dann hast du die Japaner noch nicht Handball spielen sehen", sagte Magdeburgs Rechtsaußen gestern Nachmittag im Volksstimme-Gespräch.

Obwohl der kleine Österreicher eine Nacht über die völlig unerwartete 30:33-Niederlage im WM-Turnier gegen Japan geschlafen und mit seinem älteren Bruder Fredy ("Er hatte ganz spontan mit zehn Kumpels die Reise nach Schweden angetreten, um mich und unser Team vor Ort zu unterstützen.") bei einer Tasse Cappuccino im WM-Spielort Norrköping ausgewertet hatte, saß der Schock dennoch tief: "Das war schon ein herber Dämpfer für uns, denn mit diesen zwei Punkten hatten wir fest gerechnet", gestand der 25-Jährige, der am Freitag beim "Auftak nach Maß" gegen Brasilien (34:24) noch mit sechs Toren hatte glänzen können.

Im zweiten Vorrundenspiel der Gruppe B gegen die wieselflinken, unorthodox spielenden kleinen Japaner kam Weber dann aber kaum per Gegenstoß zum Zuge (3 Treffer). "Der Gegner war für uns ja ein unbeschriebenes Blatt. Dass sie in der Tat ,Harakiri-Handball‘ spielen, haben wir dann am eigenen Leib erfahren müssen. Wir kamen mit der sehr bissigen und beweglichen 3/3-Deckung überhaupt nicht zurecht, haben viele Fehler und kaum Tore aus dem Spiel heraus gemacht, so dass wir zur Halbzeit schon mit sieben Toren hinten lagen. In der zweiten Hälfte lief es etwas besser, doch das reichte nicht aus", bedauerte Weber den Fauxpas.

Am Minimalziel hält der Linkshänder dennoch fest: "Ab Platz zwei ist in unserer Gruppe noch alles offen. Das Erreichen der Hauptrunde bleibt also unser Ziel. Und warum soll uns nicht schon gegen die Norweger eine Überraschung gelingen? Und auch die Isländer, die uns am Dienstag erwarten, sind schlagbar", denkt der aktuelle Torschützenkönig der Bundesliga, der neben Silvio Heinevetter und Sven-Sören Christophersen als "Spieler des Monats Dezember" nominiert worden ist, nicht daran, den Kopf in den Sand zu stecken: "Ab jetzt heißt es nur noch: Attacke!"