Magdeburg. Hartmut Krüger hat es gesagt: "Bei allen Verdiensten eines Heiner Brand um den deutschen Handball, aber jetzt muss er abtreten, so kann er nicht weiterarbeiten." In den vergangenen Tagen hat sich Krüger, der Olympia-Sieger von Moskau 1980 mit der damaligen DDR-Sieben, oft und viel über das Auftreten der DHB-Auswahl bei der WM in Schweden unterhalten. So oft und so viel wie schon lange nicht mehr. Der 57-jährige ehemalige Linksaußen des SC Magdeburg stimmte mit allen überein: Um Platz elf zu spielen, "das ist eine riesengroße Enttäuschung, da gibt es nichts mehr zu beschönigen."

Nach dem Sieg gegen Island hatte auch Krüger gedacht, die Brand-Männer hätten die Handbremse endgültig gelöst. "Aber dann war es schon unglaublich, was sich Leute wie Hens und Kraus an Schludrigkeiten geleistet haben." Krüger glaubt zudem, dass "zwei, drei Spieler körperlich überfordert waren, um so ein Turnier überhaupt durchzustehen." Ihm nütze es auch nichts, wenn die Akteure sich abklatschen, scheinbar motivieren. Die Bewegung im Angriff sei ausgeblieben, und im Angriff sei künftig der spielerische Hebel anzusetzen.

Frank Carstens, 39 Jahre, ehemaliger Bundesliga-Handballer und aktueller Erfolgstrainer des SCM, wirft einen versöhnlicheren Blick auf das Turnier. "Insgesamt gab es Leistungen in ziemlich großer Bandbreite", sagte er – die guten gegen Spanien und Island, die schlechten gegen Ungarn und Norwegen, "die nur schwer zu erklären sind". In jedem Fall zeigen sie, dass "die Konstanz fehlt, um ganz oben dabei zu bleiben" – also: zur Weltspitze zu gehören. Nur eine intensivere Arbeit, in der das Zusammenspiel verbessert wird, könne dem Manko Abhilfe schaffen. Natürlich schreie jeder bei einem Misserfolg als erstes nach den Führungsspielern. "Aber", so Carstens, "das ist eine Frage der Qualität der Akteure. Ein Führungsspieler entsteht auch nur mit Leistung."

Rainer Koch, bis zur Wende Nachwuchstrainer beim SC Magdeburg und Coach der Jugend-Nationalmannschaft der DDR, der zum Beispiel einen Steffen Stiebler ausgebildet hat, sieht das Problem in den Vereinen: "Die Nationalspieler sind fast alle Wechselspieler, wann und wo sollen sie Führungsqualitäten erlernen? Mit der originalen Spielgestaltung haben sie doch nichts mehr zu tun", erklärt der 67-jährige Staßfurter. "Über das Abschneiden selbst muss man nicht diskutieren, sondern über die spielerische Leistung, die dargeboten wurde." Was Koch außerdem gefehlt hat, wie es zu Brand-Zeiten mit Schwarzer oder Stephan noch der Fall war – der verlängerte Arm des Trainers: "Damals nämlich haben sich diese Spieler in Auszeiten noch eingebracht, heute spricht nur noch Trainer." Auch das spreche für Charakter.

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