Winterberg. Wenn man Andreas Bredau am Telefon erlebt, wenn man seine Nachrichten liest, dann bleibt immer der Eindruck von einem unheimlich sachlichen Mann, der sich längst auf die nächste Aufgabe konzentriert. Bredau selbst sagt: "Ich frage mich sofort nach so einem Rennen, was kann ich noch besser machen, und ich hole mir die Rückmeldung vom Trainer über den Start." In seinem Fall ist es Bundestrainer Christoph Langen.

Viele Fragen werden sich weder der Burger Bredau, noch sein Pilot Manuel Machata sowie Florian Becke und Richard Andjei (alle SC Potsdam) am Sonntag gestellt haben. Sie tanzten, und sie herzten sogar die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD): Ausgelassen haben sie ihren Titel bei der Europameisterschaft in Winterberg im Viererbob bejubelt (Volksstimme berichtete), zur Feier blieb leider keine Zeit. Für Bredau war es der bislang größte Erfolg seiner Karriere im Erwachsenenbereich.

Dabei verliefen die Wettbewerbe an beiden Tagen nicht unbedingt nach Machatas Geschmack. Selbst im Vierer "haben wir nicht alles gut gemacht", berichtet Bredau. Das war zum einen die Startzeit von 5,17 Sekunden im ersten Lauf – vom eigenen Anspruch und von der Zeit der Besten zu weit entfernt. Machatas erste Fahrt verlief dann eher verkrampft. Aber im zweiten Lauf fand er die Ideallinie. Bredau sagt: "Wir haben uns auf unsere Stärken besonnen." Start- und Laufbestzeit führten zu Gold. "Es war der Wahnsinn."

Was vorher weder im Fernsehen noch in den Presse-Agenturen laut gedacht wurde, hatte Bredau bereits nach dem Wettbewerb in Igls (Österreich) vor zehn Tagen festgestellt. Das Machata-Team, im Gesamtweltcup an der Spitze, gehört zu den Top-Favoriten auf den Sieg bei der Weltmeisterschaft in Königssee (14. bis 27. Februar). Das Geheimnis eines möglichen Erfolges wird wieder in der Einstellung liegen, mit der die Hünen schon den gesamten Winter die Eiskanäle dieser Welt eroberten: "Wir können nur unser Bestes geben und am Ende schauen, ob es für die Podestplätze reicht", weiß Bredau. Die Leistung der Konkurrenten können sie ja nicht beinflussen.

Im Zweier indes liegen Machata/Bredau im Gesamtweltcup auf Rang zwei. In Winterberg reichte es am Sonnabend nur zu Platz fünf. "Wir haben am Start immer noch Reserven", erklärt der 26-jährige Bredau. Auch die Fahrlinie sei nicht optimal gewesen, der Bob sei noch nicht optimal abgestimmt. Es muss vieles optimal laufen, um ganz vorn zu landen. Aber für den Weltcup am Wochenende in St. Moritz (Schweiz) werden sie an der Steigerung in allen Bereichen arbeiten. Und Bredau hat überhaupt die beste Einstellung gefunden: "Probleme sind erst da, wenn alles perfekt war und am Ende trotzdem nur der fünfte Platz herausspringt."