Mit bangem Blick werden sie am Sonntag in Duisburg, Cottbus und Gelsenkirchen auf die Auslosung für das Pokal- Halbfinale schauen. Wer muss in fünf Wochen gegen wütende Bayern ran – und wer darf durch die Hintertür nach Europa, wenn sich der deutsche Fußball-Rekordmeister noch für die Champions League qualifiziert?

Frankfurt/Main (dpa). "Wir wollen ins Finale", stellte Schalke-Trainer Felix Magath schon am Dienstag nach dem 3:2 nach Verlängerung gegen den 1. FC Nürnberg klar. Für den klammen Revierclub ist die Teilnahme am internationalen Geschäft beinahe überlebenswichtig – und nun greifbar nah. Ein wenig Losglück am Sonntag, und nur noch ein Zweitligist stünde zwischen Schalke und der Europa League. Magaths Routenplanung würde aufgehen – der Weg nach Europa führt mal wieder über Berlin.

Und womöglich über Duisburg und Cottbus, die sich am Mittwochabend schon wieder als Erstliga-Schreck präsentiert haben. Der MSV schickte den 1. FC Kaiserslautern in der heimischen Arena mit 2:0 auf die Bretter und schaltete damit nach Köln schon den zweiten Erstligisten aus.

Duisburg hat sich durch die Halbfinalteilnahme mindestens weitere zwei Millionen Euro gesichert und damit ebenso wie Energie Cottbus wieder finanziellen Spielraum. Die Mannschaft von Coach Claus-Dieter Wollitz hatte beim 1:0 gegen Hoffenheim nach Wolfsburg und Freiburg schon den dritten Erstligisten aus dem Pokal geworfen. Damit verschärften die Lausitzer die Krise der Kraichgauer, die auch im dritten Spiel unter dem neuen Trainer Marco Pezzaiuoli ohne Sieg sind. Daran änderte auch der Einsatz von Neuzugang Ryan Babel nichts, der vom FC Liverpool kam.

Bei Energie drehten die Fans auf den Rängen durch, die Spieler lagen sich singend in dem Armen – doch Claus-Dieter Wollitz war der Spaß vergangen. Statt sich ausgelassen zu freuen, schimpfte der Trainer über die eigenen Anhänger – mal wieder. "In jeder anderen Stadt ist so ein Spiel ausverkauft. Und zwar nicht einen Tag vor dem Spiel, sondern einen Tag nach der Auslosung", polterte Wollitz. Nur 15 200 Zuschauer hatten sich im Stadion der Freundschaft eingefunden, etwa 7000 Plätze blieben unbesetzt.

Wollitz verstand die Welt nicht mehr und dozierte noch weit über eine Stunde nach dem Abpfiff: "Ich kenne es so, dass Stadien ausverkauft sind, wenn man erfolgreich ist und eine hohe Identifikation mit dem Verein herrscht."

Bayern-Torjäger Thomas Müller würde sich indes auf dem Weg ins Finale ein Gastspiel in der Lausitz lieber ersparen. "Auf Schalke oder in Cottbus zu spielen, wäre nicht ganz so einfach", sagte er nach dem ungefährdeten 4:0-Erfolg bei Alemannia Aachen, der dem FC Bayern die 22. Halbfinalteilnahme im DFB-Pokal sicherte.

Doch Ruhe kehrte in München auch nach dem sechsten Sieg aus den vergangenen sieben Spielen nicht ein. Trainer Louis van Gaal war mit Schlagzeilen zu seinem möglichen Rauswurf beschäftigt und mit der Nachfolge des nach Mailand abgewanderten Kapitäns Mark van Bommel. Immerhin, die Baustelle scheint geschlossen: Die Binde trug in Aachen Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger soll zweiter Kapitän sein.