Bremen/München (dpa). Die Konstellation vor dem 90. Nord-Süd-Gipfel zwischen Werder Bremen und Bayern München hat Seltenheitswert. Die Dauerrivalen, die in ihren Bundesliga-Duellen zumeist um den Titel kämpften, verfolgen heute (15.30 Uhr) ganz andere Ziele. Für Werder geht es im Abstiegskampf ums nackte Überleben, die Bayern streben zunächst einen Champions League-Platz an. Auch ohne Franck Ribéry – der Franzose fällt mit einer Bänderzerrung im linken Knie weiterhin aus – will Trainer Louis van Gaal die Aufholjagd fortsetzen und an den 4:0-Sieg im DFB-Pokal in Aachen anknüpfen.

"Auswärts ist es besser geworden. Allerdings sind viele Plätze nicht so gut präpariert, und wir müssen mit langen Bällen spielen", begründete der Niederländer gestern die schwache Auswärtsbilanz. Der Meister ist zwar das heimstärkste Team der Liga (23 Punkte), doch die magere Ausbeute von zehn Zählern auf fremden Plätzen entspricht gerade mal der der Abstiegskandidaten St. Pauli und Mönchengladbach. Nationalstürmer Mario Gomez forderte: "Wir müssen auswärts endlich eine Konstanz reinbringen."

Der Torjäger befindet sich seit Wochen in ausgezeichneter Form. Gomez und Flankendribbler Arjen Robben, der vor einem Jahr beim 3:2 der Bayern im Weserstadion das Siegtor erzielte und danach vor Freude seinen Landsmann van Gaal umrannte, sind die Hoffnungsträger. Robben rückt wahrscheinlich in die Start-elf. "Ich denke, dass es gut geht", sagte van Gaal zum Zustand seines Landsmannes, der zuletzt an einem Infekt gelitten hatte. Sein Team ist nicht nur durch Ribérys Ausfall und durch den Wechsel von Mark van Bommel (AC Mailand) personell dezimiert. Auch Diego Contento (Stressfraktur an der Wirbelsäule) und Toni Kroos (Mittelfußprobleme) stehen neben dem bis Saisonende ausfallenden Ivica Olic nicht zur Verfügung.

Der Bayern-Coach, der sich in München trotz der Fehde mit Clubchef Uli Hoeneß weiterhin "sehr wohl" fühlt, wunderte sich über die Werder-Krise. "Bremen ist normalerweise ein sehr guter Gegner. Eigentlich ist es unglaublich, wo sie stehen", sagte van Gaal. Sein Kollege Thomas Schaaf schöpft aus der Außenseiterrolle seiner Mannschaft Hoffnung. "Man traut uns vielleicht nicht so viel zu", sagte der Werder-Trainer, er appellierte an die Einstellung seine Profis: "Jeder kann sich in diesem Spiel beweisen."

Bei Werder fällt wahrscheinlich Stürmer Marko Arnautovic (Wadenprobleme) aus. Nach dem Ende der Umbauphase der Osttribüne können 40 500 Zuschauer die Partie im Weserstadion verfolgen. Die sportlich prekäre Lage der Hanseaten wird auch beim Blick auf die Statistik nicht besser. Werders Heimbilanz gegen den Rekordmeister ist zwar positiv, doch in den zurückliegenden sechs Pflichtspielen gab es keinen Sieg gegen die Münchner.

Eine Niederlage für Werder, das weiterhin die Langzeitverletzen Wesley, Sebastian Boenisch und Naldo ersetzen muss, wäre keine große Überraschung. Personelle Konsequenzen für den Trainer sind in diesem Fall eher unwahrscheinlich. Das versicherte Clubchef Klaus Allofs: "Thomas Schaaf ist für mich der beste Trainer für Werder Bremen."