Am letzten Tag der Wechselperiode ging es bei vielen Vereinen hektisch zu. Fast im Minutentakt wurden Transfers gemeldet oder zerschlugen sich. Schalkes Magath bediente sich auf dem Schnäppchenmarkt, Wolfsburg holte Helmes und Tuncay statt Farfan.

Düsseldorf (dpa). Wechselfieber im Winterschlussverkauf – in der Fußball-Bundesliga herrschte bis zum gestrigen Transferende hektische Betriebsamkeit. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur dpa nahmen die 18 Vereine so viel Geld ein wie nie zuvor in der zweiten Wechselperiode. Mehr als 75 Millionen Euro für 45 Abgänge flossen in die teilweise maroden Kassen der Clubs. Im Gegenzug besserten die Vereine ihre Kader mit 41 Neuzugängen auf, für die sie mehr als 45 Millionen Euro hinblätterten. Im gleichen Vorjahreszeitraum standen 42 Zugängen (13,5 Millionen) 57 Abgänge gegenüber, mit denen gerade einmal 5,5 Millionen Euro erlöst wurden.

Bis zuletzt glühten überall die Drähte, vor allem in Wolfsburg, bei FC Schalke 04 und Eintracht Frankfurt. Dann zerschlug sich der Wechsel von Jefferson Farfan zum VfL, weil es Probleme mit der Vertragsauflösung des Peruaners gegeben haben soll. Und der dann als Ersatz gedachte Frankfurter Patrick Ochs gab Schalkes Felix Magath einen Korb.

Stattdessen gelang es Wolfsburgs Manager Dieter Hoeneß in letzter Sekunde, Ersatz für den zu Manchester City abgewanderten Edin Dzeko zu finden. Für rund fünf Millionen Euro Ablösesumme kommt der bei Bayer Leverkusen zum Reservisten degradierte Patrick Helmes. Zudem holte der VfL den türkischen Nationalmannschaftskapitän Tuncay und den tschechischen Nationalspieler Jan Polak für zusammen geschätzte sechs Millionen Euro. "Der Verein hat hart an den Neuzugängen gearbeitet, und am Ende hat es sich gelohnt", sagte Wolfsburgs Trainer Steve McClaren.

Der gewohnt umtriebige Schalke-Coach Magath, der teure Spieler wie Jermaine Jones (Blackburn) und Ivan Rakitic (FC Sevilla/1,5) ziehen ließ, schlug in letzter Sekunde auf dem Schnäppchen-Markt zu. Der Ghanaer Anthony Annan (Trondheim/2,5) soll im defensiven Mittelfeld die Fäden ziehen. Überraschend zog Magath neben dem Griechen Angelos Charisteas auch den Iraner Ali Karimi (beide vertragslos) aus dem Hut. Den 32-jährige Mittelfeldakteur hatte Magath einst auch zu Bayern gelotst.

Als Verstärkung im Abstiegskampf lieh der VfB Stuttgart den Ungarn Tamas Hajnal von Borussia Dortmund aus, Bremen verpflichtete den brasilianischen Abwehrspieler Samuel ablösefrei.

Ungewöhnlich viele prominente Spieler für schwindelerregende Summen wechselten die Seiten. Als teuerster Winter-Transfer geht Vorjahres-Torschützenkönig Dzeko in die Historie ein. Den Abgang des Angreifers zum englischen Premier-League-Club ließ sich Wolfsburg mit 35 Millionen Euro versüßen. Bayern München holte sich den Hoffenheimer Luiz Gustavo für 17 Millionen Euro, worauf sich Kapitän Mark van Bommel wegen der "besseren sportlichen Perspektive" für den AC Mailand entschied. Zudem verließen Martin Demichelis (Malaga/3,0 Millionen Euro) sowie David Alaba und Edson Braafheid (beide Hoffenheim) den Rekordmeister. Hugo Almeida (Besiktas Istanbul) kehrte Werder Bremen den Rücken.

Beim Transferpoker kämpften nicht nur Manager und Berater, sondern auch die Profis teilweise mit harten Bandagen. So sorgte neben Farfan, Dzeko und Ruud van Nistelrooy, der eine Rückkehr zu Real Madrid forcierte, aber keine Freigabe vom Hamburger SV erhielt, auch Demba Ba mit seinem erzwungenen Abgang für Wirbel. Schließlich landete der Stürmer bei West Ham United und spülte 1899 sieben Millionen Euro in die Kasse. Die Kraichgauer (24,1) sind nach Wolfsburg (35,5) die Einnahme-Könige. Allerdings reinvestierte 1899 auch kräftig und leistete sich den Niederländer Ryan Babel (FC Liverpool/7,0) und Roberto Firmino (Tombense/4,0).

Der FSV Mainz 05 hat den bisher von Panathinaikos Athen ausgeliehenen Andreas Ivanschitz endgültig verpflichtet. Für den Mittelfeldspieler aus Österreich zahlen die Mainzer eine Entschädigung in Höhe von 200 000 Euro. Dagegen hat der Däne Morten Rasmussen einen Freigabe für den Wechsel zu Aalborg BK erhalten.