Klingenthal (dpa). Als die Skisprung-Karawane gestern Klingenthal in Richtung Oberstdorf verließ, gingen die Gedanken von Michael Uhrmann immer wieder zurück zu dem denkwürdigen Abend in der Vogtland-Arena. Die Frage, warum es trotz des komfortablen Vorsprungs nach dem ersten Durchgang nicht zum Sieg gereicht hatte, war schon hundertfach beantwortet. Und trotzdem: Der Absturz auf Rang 13 saß am Morgen danach noch tief. Heute aber sollte das alles vergessen sein. Das Skifliegen bei der Team-Tour erfordert höchste Konzentration und ist auch wegen der zeitlichen Nähe der Ereignisse die beste Gelegenheit, neue Erfolgsmomente zu schaffen.

"Michi ist erfahren genug, um diese Situation zu meistern. Wir haben geredet, und ich habe ihm gesagt, dass so etwas nicht vorkommen sollte. Aber das weiß er auch selbst", sagte Bundestrainer Werner Schuster. Er sprach von einer "gefährlichen Situation", die Uhrmanns Traumflug auf 146,5 Meter und der große Vorsprung nach dem ersten Durchgang heraufbeschworen hatte. "Da geht der Fokus in die falsche Richtung. Du weißt zwar, dass alles gepasst hat, aber dann willst du mehr, willst perfekt sein. In dem Moment machst du dann alles falsch, was zuvor richtig war. Aber es sollte einem erfahrenen Springer nicht passieren", meinte der Coach. Trotzdem: "Ich sehe eine Entwicklung im Team. Wir können mittlerweile punktuell Highlights setzen. Nicht nur durch Severin Freund, der an guten Tagen gewinnt, an schlechten aber immer noch Top-Zehn wie hier in Klingenthal ist. Solch ein Sprung von Uhrmann zeigt, wozu die Mannschaft fähig ist. Nun muss noch Stabilität kommen, um eben zweimal sehr gut herunterzukommen", bemerkte der Bundestrainer.

Und da bezieht er bis auf Freund alle seine Schützlinge ein. Denn die hervorragende Ausgangssituation mit fünf Springern unter den besten 16 nach dem ersten Versuch konnte nicht gehalten werden. "Daran müssen wir jetzt bis zur Weltmeisterschaft in drei Wochen arbeiten. Von daher werden auch nur ein paar WM-Kandidaten zum Skifliegen nach Vikersund nächste Woche gehen. Uhrmann bleibt in jedem Fall daheim. Er ist nicht der große Flieger, aber wir brauchen ihn mit solchen Sprüngen wie in Durchgang eins bei der WM", meinte Schuster.