Mit nachdenklichem Blick ist Tim Hornke am Donnerstag-abend in Helmstedt über die Platte geschlendert, eingepackt in Trainingshose und Pullover. Er hat erst die Wasserflaschen getragen und saß dann 90 Bruttominuten auf der Bank beim 30:28 (13:15)-Testspielsieg des Handball-Bundesligisten SC Magdeburg gegen den TSV Hannover-Burgdorf. Sieht so ein Gewinner aus?

Magdeburg. Die Antwort seines Trainers Frank Carstens lautet: Ja. "Tim Hornke ist einer der Gewinner der Vorbereitung. Er hat sich sehr gut entwickelt." Der 20-Jährige hat das natürlich gerne gehört. "Dadurch, dass Robert (Weber) nicht da war, hatte ich natürlich viele Einsatzzeiten, die ich auch genutzt habe", erklärt er zum Beispiel in Erinnerung an seine guten Leistung beim Peugeot-Cup in Dessau, als der SCM den zweiten Platz belegte. Zulegen, weiß Hornke, müsse er noch im Kraftbereich, auch an seiner Abwehrarbeit müsse er arbeiten. Hornke nutzt dazu die Spiele bei den Youngsters, nur gestern Abend beim Aufeinandertreffen des SCM-Nachwuchses mit dem VfL Edewecht musste er ebenfalls zuschauen. Denn Hornke ist verletzt.

Am Mittwochabend bekam er die Ellenbogen von Yves Grafenhorst zu spüren beim Training. In der Notaufnahme der Uniklinik wurde eine Nasenbein-Fraktur diagnostiziert, für Hornke keine Premiere, sondern eine erste Neuauflage. "Beim ersten Mal wurde sie mir gerichtet", berichtet der Rechtsaußen, diesmal muss er sich keiner Operation unterziehen. Carstens ist deshalb optimistisch, dass er "am Dienstag beim TV Großwallstadt dabei sein wird". Auch Hornke mag nicht wieder ausfallen wie nach seiner Fingerverletzung, als er zwei Wochen auf Handball verzichten musste. "Bloß nicht wieder ein längerer Ausfall", bestätigt er. "Ich hoffe, dass es so gut wie in der Vorbereitung weitergeht."

Dass er einen Robert Weber vor sich hat, stört ihn dabei nicht, das hat er von Beginn an akzeptiert und respektiert. "Das ist für mich in dieser Saison kein Problem." Vielmehr holt er sich beim Österreicher Tipps, um sein eigenes Wurfrepertoire auszubauen.

Weber, der heute im internationalen All-Star-Team der Bundesliga in Leipzig gegen die deutsche Nationalmannschaft antritt, gehört mit Bartosz Jurecki zu den Rückkehrern von der Weltmeisterschaft in Schweden. Während der Rechtsaußen gegen Hannover bereits in seinem Element war und zehn Tore markierte, muss "Bartosz wieder reinkommen", erklärt Carstens. "Es war superwichtig, dass er gegen Hannover wieder dabei war" – um die erfolgreichen Automatismen der Saisonhälfte 2010 zu festigen.

Daran arbeitet der SCM derzeit – ab morgen wieder mit Hornke. "Wir haben viel Neues probiert in der Vorbereitung", sagt der Coach. Altbewährtes trat deshalb etwas in den Hintergrund.

Am Donnerstag fehlte noch die Passgenauigkeit, es waren nicht etwa die Fehlwürfe, die die Angriffseffektivität auf knapp über 50 Prozent reduzierten. Es waren vor allem die technischen Fehler, die sich die Magdeburger leisteten. Carstens probte den Ernstfall in diesem intensiven Spiel gegen einen Ligakonkurrenten, der beweglich im Angriff agierte und Druck aufbaute. Er wechselte in den Schlussphasen beider Hälften von einer 6-0- auf eine 5-1-Abwehr. Mit Erfolg: Grafenhorst erzielte in der 55. Minute die erste SCM-Führung überhaupt (27:26) und drehte damit die Partie – per Konter. Eine Stärke, die die Magdeburger im Verlauf der Partie gegen Burgdorf wiedergewonnen hatten. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Carstens – und mit Blick auf Großwallstadt: "Am Dienstag sieht unser Spiel schon ganz anders aus."