Der Tabellenführer verpasste den Sieg, blieb aber am Ende des Spieltages der große Gewinner. Nur einen Tag nach dem unglücklichen 0:0 im Revierderby gegen den FC Schalke brachten sich die Dortmund-Verfolger aus Leverkusen und München mit Niederlagen in Nürnberg und in Köln um die große Chance, Boden im Titelkampf gegen die Borussen gutzumachen.

Düsseldorf (dpa). Sichtlich verärgert kommentierte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge das 2:3 des Rekordmeisters, der in Köln eine vermeintlich sichere 2:0-Führung verspielte: "Das ist fahrlässig. Die Dortmunder spielen unentschieden und machen trotzdem einen Punkt gut."

Nicht nur in Köln sorgte eine spektakuläre Aufholjagd für Aufregung. Wie der FC Bayern gab auch Schlusslicht Mönchengladbach eine 2:0-Führung aus der Hand. "Das ist ein Nackenschlag, den wir in dieser Form noch nicht hatten", bekannte Gladbach-Coach Michael Frontzeck nach dem 2:3 im Kellerduell mit dem Vorletzten aus Stuttgart. VfB-Manager Fredi Bobic atmete erleichtert auf: "Das kann in unserer Situation eine große Initialzündung sein."

Wenige Stunden vor dem Krimi in Mönchengladbach wurde in Köln ein ähnlich aufregendes Schauspiel aufgeführt. Christian Clemens (55.) und Milivoje Novakovic (62./73.) verwandelten das Stadion mit ihren späten Treffern in ein Tollhaus. Wie schon gegen Wolfsburg (1:1), Leverkusen (1:1) und Mönchengladbach (3:3) verpasste der FC Bayern nach starkem Beginn und einer Führung den Sieg.

"Wenn man die erste Halbzeit so souverän spielt wie wir, ist es unglaublich, dass wir wieder, und zwar schon zum vierten oder fünften Mal, ein Spiel weggeben", klagte der niederländische Coach Louis van Gaal. Vom Selbstvertrauen, das die Münchner über Jahre ausgezeichnet hat, ist wenig geblieben. "Dortmund und Leverkusen müssen keine Angst vor uns haben", gestand Thomas Müller.

Auch das Team aus Leverkusen braucht beim Blick auf den BVB bei zwölf Zählern Abstand weiter ein Fernglas. Die vergebene Chance, diese große Distanz zu verringern, machte Jupp Heynckes mächtig zu schaffen. Im Anschluss an das 0:1 in Nürnberg gab sich der Bayer Coach als schlechter Verlierer und beklagte sich über den "rustikalen Fußball" des Gegners: "Ich bin enttäuscht über die Leistung des Schiedsrichters. Er hat uns nicht geschützt." Dagegen redete Michael Ballack Klartext: "Wir brauchen nicht mehr nach oben zu schauen. Denn gerade in den entscheidenden Momenten sind wir nicht da."

Mehr Spannung als das Titelrennen verspricht der Kampf um den Klassenverbleib. Nicht nur die drei Tabellenletzten Gladbach (16 Punkte), Stuttgart (19) und Köln (22) müssen bangen. Neben den Aufsteigern St. Pauli (22) und Kaiserslautern (23) sind die eigentlich viel stärker eingeschätzten Teams aus Bremen und Wolfsburg (beide 23) weiterhin gefährdet. Immerhin sorgte der Last-Minute Treffer von Claudio Pizarro zum 1:1 in Mainz beim SV Werder für neuen Mut. "Ich glaube, das war die Wende", kommentierte Pizarro im ersten Überschwang der Gefühle.

Die Wolfsburger werden den 21. Spieltag dagegen in weniger guter Erinnerung behalten. Nach dem 0:1 in Hannover droht Trainer McClaren das Aus. Die fehlende Autorität des Fußball-Lehrers wurde beim Elfmeter für sein Team in der 80. Minute deutlich. Spielmacher Diego schob den eigentlich als Schützen bestimmten Patrick Helmes zur Seite und schoss den Strafstoß selbst – an die Latte. Verärgert schlug McClaren mit der Faust gegen das Plexiglas der Auswechselbank: "Es ist absolut inakzeptabel, dass sich Diego über meine Entscheidung hinweggesetzt hat. Ich bin sehr wütend." Manager Dieter Hoeneß verweigerte im Anschluss einen Treueschwur für den Coach.