Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat bei ihrem ersten Auftritt nach dem WM-Desaster Imagepflege betrieben. Das Team von Bundestrainer Heiner Brand, dessen Erscheinen in der Leipziger Arena bis zuletzt fraglich war, besiegte am Samstagabend das Allstar-Team der Bundesliga mit 39:37 (21:16). Und mittendrin kam auch ein Magdeburger ganz groß raus: Robert Weber. Der Rechtsaußen wurde zu seiner eigenen Überraschung vom Publikum zum "Spieler of the Match" gewählt – eine Ehrung, die den kleinen Österreicher "peinlich" war.

Leipzig. Eingerahmt von den frischgebackenen Weltmeistern Jerome Fernandez (Kiel) und Bertrand Gille (Hamburg) stand Robert Weber nach dem Abpfiff auf der Platte. Und während der Liga-Torschützenkönig, der als einziger Magdeburger von den Handball-Fans ins Allstar-Team gewählt worden war, wie all die anderen darauf wartete, dass der "Spieler of the Match" (gewählt per SMS von den Zuschauern in der Halle und anderswo an den Bildschirmen während der Partie) bekanntgegeben wurde, kam er sich neben den französischen Handball-Giganten "irgendwie klein" vor. Und das nicht nur wegen seiner Körpergröße...

Allein, dass der Österreicher im Schulterschluss mit den absoluten Top-Stars der Zunft da stand, sei "surreal" gewesen, doch als er plötzlich seinen Namen hörte, wähnte sich Weber vollends im falschen Film. Der 26-jährige Linkshänder, wurde erst blass, dann rot. Zögerlich ging der 1,78-Meter-Mann nach vorn und nahm schulterzuckend die Auszeichnung (eine Flasche Schampus, einen Teddy sowie einen Gutschein für eine dreitägige Übernachtung in einem Hilton-Hotel seiner Wahl) entgegen.

"Ich dachte zuerst, das ist ein Scherz, und die wollen mich verarschen", erklärte Weber, der sich zunächst keinen Reim auf die Wahl machen konnte. Schließlich war er insgesamt nur 15 Minuten zum Einsatz gekommen, die Außenbahn emsig hoch und runter gesprintet aber dabei nicht einmal zu einem Torwurf gekommen. "Da es ja wohl eine Publikumswahl war, kann ich mir das nur so erklären, dass viele Magdeburger in der Halle oder daheim vor dem Fernseher gesessen und für mich gestimmt haben. Oder aber, meine Frau Lisa hat unentwegt ihr Handy traktiert, aber das werde ich ja bei der nächsten Abrechnung sehen", schmunzelte der Geehrte.

Nichtdestotrotz stellte der Auftritt "ein geiles Highlight meiner Karriere" dar, das er "zuallererst den Leuten zu verdanken habe, die mich zum SCM geholt haben", erklärte der Österreicher hinterher. "Wenn du da in der Kabine neben solchen Weltstars wie Gille, Omeyer oder Jicha sitzt, glaubst du, du träumst. Irgendwie hatte ich das Gefühl, hier gehörst du eigentlich nicht hin." Zwar sei er von allen, inklusive Trainer Martin Schwalb (Hamburg), gut aufgenommen worden, "aber ich habe mich komplett zurückgehalten und das Ganze einfach nur genossen. Small-Talk mit einem Fernandez zu führen, war für mich ohnehin undenkbar. Dazu sind mein Respekt und meine Ehrfurcht viel zu groß."

Und so waren es tatsächlich auch andere, die dem Handball-Spektakel in Leipzig den sportlichen Stempel aufgedrückt hatten. Als erfolgreichster Schütze im DHB-Team, das beim 31:26 (45.) die Weichen auf Sieg gestellt hatte und von den Leipziger Handball-Fans gefeiert wurde, als habe es nie ein WM-Debakel gegeben, wusste der Lemgoer Holger Grandorf (8) zu überzeugen. Die meisten Treffer im Allstar-Team erzielte "Löwe" Bjarte Myrhol (5).