Magdeburg/Ljubljana. Es gehört ganz gewiss nicht zu den Alltäglichkeiten im internationalen Sport, dass ein Boxer zur populärsten Person eines Landes gekürt wird. Jan Zaveck ist eine solche Ausnahme. Der Weltmeister im Weltergewicht wurde im vergangenen Jahr zum beliebtesten Slowenen bestimmt. Eine Position, die über ein Jahrzehnt lang Staatspräsident Danilo Türk innehatte. Der es sich dann auch nicht nehmen ließ, Zaveck die Insignien des neuen Amtes feierlich selbst zu übergeben.

Ja, 2010 – das war das Jahr des Jan Zaveck. Im September hatte der erste Box-Weltmeister in der Geschichte Sloweniens überhaupt seinen Gürtel des Weltverbandes IBF gegen seinen Erzrivalen, den Polen Rafa Jackiewicz, glanzvoll behauptet. Außerdem wurde der 34-Jährige, der seit Jahren für den Magdeburger Boxstall SES in den Ring klettert, nicht nur Faustkämpfer des Jahres in seiner Heimat, sondern auch Sportler des Jahres – vor allen Fußballern und alpinen Wintersportlern.

Am Freitag nun kann der Mann aus Ptuj seinen Ruhm weiter mehren. Im neuen Sportpark von Ljubljana verteidigt er zum dritten Mal seinen Titel, diesmal gegen den US-Amerikaner Paul Delgado (Sport1 überträgt das Gefecht live ab 21.15 Uhr).

Es spricht für die Popularität Zavecks, dass an diesem Abend wieder so etwas wie Volksfeststimmung im Land herrschen und die 14 000 Zuschauer fassende Halle bis auf den letzten Platz ausverkauft sein wird.

Die Vorbereitungen in Magdeburg, wo der Familienvater ein kleines Appartment im Beims-Viertel hat, jedenfalls liefen nach Plan. "Ich bin bereit", sagt Zaveck.

"Das Duell gegen einen Amerikaner ist für mich extrem wichtig", fügt er noch hinzu. "Damit mache ich mir in den Staaten einen Namen und rücke auch weltweit noch mehr als bisher in das Blickfeld der Boxexperten."

Und genau dahin, nämlich in die USA, zielt der Weg des nur 1,72 Meter großen Athleten. Denn dort spielt, zumindest in seiner Gewichtsklasse (bis 66,5 Kilogramm), noch immer die Musik, sind solche Ausnahmeboxer wie Floyd Mayweather jr. und Shane Mosley zu Hause. Mit ihnen will er sich künftig messen.

Delgado soll am Freitag bei der freiwilligen Titelverteidigung nur ein Meilenstein dorthin sein. Dennoch darf er diesen Mann, so warnt auch sein Trainer Dirk Dzemski, keineswegs auf die leichte Schulter nehmen. Er gehört zwar nicht zu den ganz großen Kalibern, hat von seinen 34 Profifights 24 gewonnen. Experten loben beim ihm vor allem seine Technik und Kondition; ein K.o.-Schläger scheint er mit bisher vier vorzeitigen Erfolgen hingegen nicht zu sein.

Das könnte Zaveck (32 Kämpfe, 30 gewonnen, 17 durch K.o.) entgegenkommen. Doch darauf angewiesen ist er nicht. Denn der Mann, der den für einen Boxer seltenen Kampfnamen "Mr. Sympatikus" trägt, wird in seiner Heimat ohnehin von einer grenzenlosen Welle der Begeisterung getragen.