Jubel, Trubel, Heiterkeit an der Isar – Tränen, Trauer und Tristesse an der Spree. Während dem FC Bayern München die 22. Meisterschaft nach dem 3:1 gegen Bochum nicht mehr zu nehmen ist, steht nach dem 1:1 bei Bayer Leverkusen der fünfte Abstieg von Hertha BSC aus der Fußball-Bundesliga fest. Felix Magath blieb nach dem 0:2 von Schalke 04 gegen Werder Bremen und dem verlorenen Fernduell mit München der Titel "Vize-Meister der Herzen".

Düsseldorf (dpa). Nun sind noch vier Entscheidungen am letzten Spieltag offen: Die Duelle um den dritten Champions-League-Platz zwischen Bremen und Leverkusen sowie zwischen Stuttgart und Hamburg um die Europa-League-Teilnahme. Hoch- spannung verspricht auch der Dreikampf um Abstieg und Relegationsrang zwischen Hannover, Nürnberg und Bochum.

"Da brennt nichts mehr an", jubelte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge angesichts von drei Punkten und 17 Toren Vorsprung vor dem finalen Gastspiel bei Hertha BSC. Sogar der sonst so kühle Louis van Gaal gab sich bestens gelaunt. "Ich bin ein Feierbiest", sagte er. "Wir können noch mehr gewinnen."

Auch wenn das Tüpfelchen auf dem i mit dem ersehnten ersten Titel nach 52 Jahren nicht gelang, überwiegt auf Schalke der Stolz. "Wir können mit dem zweiten Platz sehr gut leben. Wer hätte vorher gedacht, dass wir die Champions League erreichen", resümierte Magath, der Schalke trotz Finanznot und Turbulenzen wieder in Schuss brachte. Werder Bremen hat es gegen den HSV in der Hand, den Qualifikationsrang für die "Königsklasse" zu verteidigen. "Das lassen wir uns nicht mehr nehmen", sagte Werder-Profi Torsten Frings.

Allerdings wittert der HSV nach dem 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg Morgenluft und will die letzte Europa-League-Chance nutzen. "Der Körper kann viel leisten, wenn das Mentale stimmt", glaubt Interimscoach Ricardo Moniz an ein Happyend. Nach dem 2:2 gegen Mainz 05 braucht Stuttgart aber in Hoffenheim nur noch einen Zähler, um die Hanseaten auf Distanz zu halten. "Es wird jetzt noch einmal spannend, und das ist ärgerlich", schimpfte VfB-Sportdirektor Horst Heldt.

Die Hoffnungen auf ein Fußball-Wunder sind für Hertha BSC begraben worden. Nach 1965, 1980, 1983 und 1991 ist der fünfte Absturz in die Zweitklassigkeit besiegelt. "Wir hatten das Szenario seit Wochen vor Augen, nun ist es Gewissheit", sagte Berlins Manager Michael Preetz niedergeschlagen. Nach dem letzten Abstieg brauchte Hertha sechs Jahre, um wieder in Liga eins vorzurücken. "Wir müssen uns gerademachen, gut aufstellen und eine schlagkräftige Truppe aufstellen", so Preetz.

Erst einmal droht aber der Ausverkauf, da zwölf Spielerverträge auslaufen und Stützen wie Kapitän Arne Friedrich ("Das hat der Verein nicht verdient") den Club verlassen. Auch Coach Friedhelm Funkel wird beim Projekt Wiederaufstieg wohl nicht mitwirken. Da hilft auch die Anerkennung seines Bayer-Kollegen Jupp Heynckes nichts, der meinte: "Ich habe noch nie eine Mannschaft so Fußball spielen sehen, die absteigt. Das zeigt auch die Handschrift des Trainers." Dafür hat Heynckes seine Werkself, die 17 Spieltage auf Platz eins stand, in dieser Saison noch nicht so schlecht spielen sehen. "Es war ein verbrauchter Tag", urteilte Nationaltorhüter René Adler, der nur noch eine "minimale Chance" auf die Champions League sieht.

Das rettende Ufer erreicht hat der SC Freiburg. "Der Klassenverbleib bedeutet genau so viel wie der Aufstieg. Aber der Leidensweg ist wesentlich schmerzhafter", sagte Trainer Robin Dutt erleichtert. Nach dem 6:1-Kantersieg gegen Gladbach herrschte zwar bei Hannover 96 (30 Punkte) Euphorie, perfekt ist der Klassenverbleib der auf Platz 15 vorgerückten Niedersachsen aber nicht. Erst ein Sieg im "Abstiegs-Endspiel" beim VfL Bochum (28) würde die Rettung bedeuten.