Leipzig (dpa). Etwa zwei Monate nach den Olympischen Winterspielen haben Trainer, Funktionäre, Ingenieure und Sport- wissenschaftler den zweiten Platz Deutschlands in der Nationenwertung bis ins letzte Detail ausgewertet. "Die deutsche Olympia-Mannschaft war nicht nur erfolgreich, sie war auch ein Sympathieträger und glänzender Botschafter unseres Landes. Sie hat ein Beispiel im Kampf gegen Doping gesetzt. Das ist ein positives Zeichen, das international wahrgenommen wurde und zum Ansehen des deutschen Sports beiträgt", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, in der Analyse der XXI. Winterspiele.

Leistungssportdirektor Ulf Tippelt erläuterte beim Bundestrainer-Forum in Leipzig zu Beginn der Woche aber auch die Reserven. So hatte das deutsche Team bei den sogenannten neuen Sportarten wie Skeleton, Curling, Short-Track, Freestyle und Snowboard bei den Medaillen (insgesamt 30) nur eine Rate von 6,7 Prozent. Die stärkste Nation mit Gastgeber Kanada kam da auf 53,8 Prozent, die USA als Dritter auf einen Anteil von 40,5 Prozent. Immerhin machen diese neuen Trendsportarten 25 Prozent der Gesamtentscheidungen aus. "Im August und September werden wir auch Zielvereinbarungen mit den Verbänden der jungen Sportarten abschließen", betonte Tippelt.

Dennoch war Deutschland die einzige Nation, die in zehn von 15 olympischen Sportarten Medaillen erkämpfte. Vier Jahre zuvor in Turin waren es nur sieben. Als Erfolgsgaranten sah Tippelt vor allem die seit 2008 eingeführten Zielvereinbarungen zwischen DOSB und den olympischen Spitzenverbänden, die frühzeitigen Berufungen ins Top-Team, die gesundheitliche Betreuung der Athleten trotz drohender Schweinegrippe, die Hochtechnologie bei den Sportgeräten sowie die professionellen Trainingsbedingungen dank Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll. Dadurch sind von 153 deutschen Olympia-Startern nur 20 Kader keine Profis.

Unabhängig davon will der deutsche Sport bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London weiter seine Strukturen mit einem Trainer-Berater-System optimieren. So sollen das Institut für Angewandte Trainingswissen- schaften in Leipzig, das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten in Berlin sowie die Olympiastützpunkte und die Trainerakademie in Köln eng unter Leitung des DOSB kooperieren.

Andere Nationen haben das deutsche Erfolgsrezept längst kopiert oder sogar individuell ausgebaut. So katapultierte sich Kanada mit dem 80 Millionen teuren Förderprogramm "Own the Podium" auf Rang eins der Medaillenwertung. In den USA wird das "High Performance Centre" bis unmittelbar vor dem Wettkampf selbst vor Ort umgesetzt. In Japan entstand in anderthalb Jahren ein 300 Millionen Euro teures Trainingszentrum direkt neben dem Forschungsinstitut von Tokio.

Die Norweger steckten 124 Millionen in ihr nationales Trainingszentrum "Olympiatoppen" in Oslo. In Australien arbeitet erfolgreich das Forschungszentrum AIF, während in Großbritannien im Hinblick auf das Mega-Event 2012 in London die Unterstützung für den Sport in den letzten acht Jahren um 400 Prozent gestiegen ist. Dabei konzentrieren sich die Briten vor allem auf die fünf Sportarten Rudern, Segeln, Radsport, Leichtathletik und Schwimmen. Diese erhalten allein die Hälfte der Gesamtförderung.