"High Noon" in Stuttgart: Joachim Löw wird heute (12 Uhr) seine WM-Karten aufdecken – und neben möglichen Härtefällen wird einmal mehr die Torhüterfrage im Blickpunkt stehen. Nach dem bitteren WM-Aus des verletzten René Adler wird der Bundestrainer wohl Bayern Münchens Meister-Schlussmann Hans-Jörg Butt als dritten Schlussmann nominieren.

München (dpa). Die "Bild"-Zeitung vermeldete diese Entscheidung bereits gestern als perfekt und berief sich auf geheime DFB-Quellen. Eine Bestätigung dafür war vom Trainerteam der Nationalmannschaft nicht zu erhalten.

Zwei Jahre nach der überraschenden Ausbootung von Timo Hildebrand für die Europameisterschaft 2008 würde Löw mit dem 35 Jahre alten Butt auf große Routine und erwiesene Teamfähigkeit setzen statt ein Vabanquespiel mit der spektakulären Lösung Jens Lehmann zu wagen.

Butt würde zudem den Bayern-Block vergrößern, auf den Löw ohnehin bei der WM setzen muss. "Jörg ist mit uns deutscher Meister geworden. Die Erfahrung spricht für ihn", hob Teamkollege Philipp Lahm dessen Vorzüge heraus.

Erwartet wird, dass Löw Adler-Ersatz Butt heute nicht von vornherein als Nummer 3 ausruft, die der Routinier schon bei zwei Turnieren (EM 2000, WM 2002) war, sondern das Rennen um die Nummer 1 auch zwischen Neuer und Wiese offen lässt. Mit drei Länderspielen ist Butt, der zuletzt am 1. Juni 2003 beim 4:1 gegen Kanada in Wolfsburg 45 Minuten lang das deutsche Tor hütete, sogar erfahrener als die beiden Nummer-1-Favoriten Neuer und Wiese (je 2).

Problematisch für Löw scheint, dass die Bayern-Spieler erst mit zwölf Tagen Verspätung am 24. Mai, zwei Tage nach dem Champions-League-Finale gegen Inter Mailand, in die Vorbereitung einsteigen werden. "Eine deutsche Mannschaft hat stets ausgezeichnet, dass sie sich gut vorbereiten konnte", bemerkte dazu selbst Lahm, der Löw dennoch empfahl, auf die Münchner Sieger-Typen zu setzen: "Wir sind Meister, und im Champions-League-Finale – da spricht einiges für einen Bayern-Block." Neben den Fix-Startern Lahm, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Mario Gomez und Thomas Müller könnte im letzten Moment noch Holger Badstuber auf den WM-Zug aufspringen.

Weil neben den Bayern-Profis auch die Bremer Pokalfinalisten und Kapitän Michael Ballack beim ersten Testspiel gegen Malta am 13. Mai sowie zu Beginn des Regenerations-Trainingslagers in Sizilien fehlen werden, wird Löw zunächst mehr als 23 Akteure berufen. Wie vor der EM 2008 deutet sich ein erneutes Turnier-Casting mit 26 Akteuren an. Bis zum 11. Mai muss Löw dem Weltverband FIFA eine Liste mit maximal 30 Spielern benennen, die endgültig am 1. Juni auf 20 Feldspieler und drei Torhüter reduziert werden muss.

Der mögliche erweiterte Kader mit 26 Spielern

Tor (3): Neuer, Wiese, Butt. Abwehr (8): Badstuber, Boateng, Friedrich, Lahm, Mertesacker, Schäfer, Tasci, Westermann. Mittelfeld (10): Ballack, Jansen, Khedira, Kroos, Marin, Müller, Özil, Schweinsteiger, Träsch, Trochowski. Angriff (5): Cacau, Gomez, Kießling, Klose, Podolski. Auf Abruf in der 30-Mann-Liste: Beck, Gentner, Hitzlsperger, Weidenfeller