Barcelona (dpa). Die Rennsiesta ist vorbei, für Michael Schumacher schlägt beim Großen Preis von Spanien die Stunde der Wahrheit. Der Silberpfeil wurde für den Rekordweltmeister aufgemotzt, fünf Tage vor dem Europa-Auftakt der Formel 1 bekam der Mercedes-Pilot einen Vorgeschmack auf seinen neuen Boliden. Nach der Schmach von Shanghai soll erst recht nichts dem Zufall überlassen werden, "plötzlich" ganz vorne sieht sich der Rückkehrer jedoch nicht. Denn die Konkurrenz rüstete ihre Autos ebenfalls auf, ob Ferrari mit dem spanischen Lokalmatadoren Fernando Alonso oder Red Bull mit dem ebenso titelhungrigen Vizeweltmeister Sebastian Vettel. "Die Frage ist, wer macht den größten Schritt. Ja, Barcelona ist ein echter Gradmesser! Für den Rest der Saison", sagte Vettel gestern.

Erst Barcelona, dann der Klassiker in Monaco – die Formel 1 legt den nächsten Gang ein. "Das erste Rennen in Europa ist wie ein zweiter Saisonbeginn, und ich will dabei meinen guten Lauf mit zuletzt zwei dritten Plätzen in Folge fortsetzen. Darauf freue ich mich", kündigte Schumachers Teamkollege Nico Rosberg an. Der Wiesbadener kommt mit dem Mercedes deutlich besser zurecht als sein 17 Jahre älterer Teamwidersacher; zwei fünfte und zwei dritte Ränge legen darüber Zeugnis ab. Allerdings räumte auch der WM-Zweite vor seinem 75. Grand Prix ein: "Wir sind nicht in der Position, um zu gewinnen."

Schumacher – Platz zehn in der Gesamtwertung – bleibt ebenfalls verbal im untertourigen Bereich. Nach seinen zu Filmaufnahmen erlaubten 100 Kilometern Fahrt am Dienstag auf einer Rennstrecke im englischen Rockingham weilte der Kerpener noch länger in der Fabrik in Brackley. "Der Fortschritt in Barcelona wird etwas größer sein als der, den wir bei jedem Rennen machen, aber man darf auch nicht erwarten, dass wir dann plötzlich ganz vorne stehen werden", so die mahnenden Worte des siebenmaligen Weltmeisters.

Wer denn? Sicherlich Vettel, der sich in dieser Saison schon dreimal die Pole sichern, allerdings nur einmal im Rennen gewinnen konnte. "Wir sind als Team solide unterwegs, und es gibt keinen Grund, an uns zu zweifeln", betonte der 22-jährige Heppenheimer, der zuletzt in China – wie Schumacher – ein Wochenende zum Vergessen erlebte. "Die Saison ist noch lang und wir dürfen uns nicht ausruhen, sondern müssen schauen, dass wir bei jedem Rennen unser Bestes geben. Die Konkurrenz schläft nicht. Ich bin mir sicher, wir werden bei den nächsten Rennen vorne ganz dabei sein", so der Fünfte der Gesamtwertung, dessen Auto laut Simulationen angeblich noch einmal drei Zehntel aufgeholt haben soll.

Vettels Rückstand auf Spitzenreiter und Titelverteidiger Jenson Button – neben seinem McLaren-Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton (WM-Vierter) zweifelsohne ein weiterer Siegkandidat auf dem Circuit de Catalunya – beträgt 15 Punkte. Vor dem Fünften von 19. Saisonläufen liegen noch Button, Rosberg, Hamilton und der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso vor Vettel. Force-India-Fahrer Adrian Sutil aus Gräfelfing ist als Neunter noch einen Rang vor Schumacher, bislang "ziellos" und folgerichtig auch punktlos bestritt Timo Glock die ersten Rennen. Neuling Nico Hülkenberg (Williams) belegt Rang 15.