Halle. Willkommen zu den Winterwurfmeisterschaften! So oder ähnlich hätte man getrost die bei nasskalten 8 Grad bibbernden Zuschauer und Athleten bei den 36. Werfertagen in Halle durchaus begrüßen können. Doch wer dachte, dass bei so widrigen Bedingungen Top-Leistungen Mangelware sein dürften, sah sich getäuscht. Es gab gleich eine Reihe von Ergebnissen auf Spitzen-Niveau, zu denen sich u. a. auch zwei Magdeburger aufschwingen konnten.

Zum einem unterstrich Nadine Kleinert ihre Klasse, Souveränität und Nervenstärke. Die Vizeweltmeisterin, gerade aus dem Trainingslager im warmen San Diego zurückgekehrt, schien mit Handschuhen und dicker Jacke bestens gerüstet für das Duell mit Petra Lammert zu sein. Doch die Neubrandenburgerin erwischte die Dauerrivalin mit einem 19,05-Meter-Stoß zum Auftakt eiskalt. Zwei Versuche brauchte Kleinert, um sich zu fangen (17,85/18,64). Dann wurde ihr aus dem Publikum eine Packung Hallorenkugeln gereicht. Die Magdeburgerin freute sich wie ein kleines Kind, dass es sich inzwischen herumgesprochen hat, dass sie die süßen Sünden "zum Fressen gern" hat und langte gleich zu. Und siehe da: Das "Doping" der besonderen Art wirkte sofort: 19,01 Meter. "Geht doch!", lautete der kurze Kommentar der 33-Jährigen, die sich im sechsten und letzten Versuch sogar noch auf 19,08 Meter steigern konnte. Lammert versuchte zu kontern, scheiterte aber ganz knapp: 19,05 Meter.

Hinterher strahlte die Siegerin die dunklen Wolken weg: "Mit der Weite bin ich mehr als zufrieden. Ich war nicht gerade die Frischeste, irgendwie steckt mir wohl noch der Jetlag in den Knochen. So richtig habe ich keinen Stoß getroffen, aber zumindest stimmte es beim letzten Versuch wenigstens von den Beinen her", freute sich Kleinert, dass sie ihre Rivalin in Schach halten konnte. Und auch Trainer Klaus Schneider war zufrieden: "Wichtig war, dass sich Nadine von den ersten misslungenen Versuchen nicht hat aus der Ruhe bringen lassen und im letzten Versuch noch einmal kontern konnte. So etwas ist vor allem für den Kopf gut."

Gut, besser, Bestleistung – das war das Motto von Martin Wierig. Der 22-jährige Magdeburger pirschte sich von Versuch zu Versuch an die EM-Norm von 64 Metern heran. Im letzten Versuch dann segelte die Diskusscheibe auf 64,52 Meter. Dass der neue Hausrekord "nur" zu Rang drei reichte, konnte dem "überglücklichen" Youngster nichts anhaben, denn vor ihm lagen mit Robert Harting (66,37) und Piotr Malachowski (Polen/65,15) keine Geringeren als der Weltmeister und der WM-Zweite von Berlin. "Mir fällt erstmal ein Stein vom Herzen. Jetzt muss ich die Weite noch einmal bestätigen und mein Ziel, die EM in Barcelona, ist erreicht", freute sich Wierig über "die halbe Miete".

Top-Weiten gab es auch im Hammerwerfen: Betty Heidler gewann mit 75,24 Metern die WM-Revanche gegen Weltmeisterin Anita Wlodarczyk aus Polen (74,00). Bei den Männern erreichte Markus Esser als einer von insgesamt sieben deutschen Werfern in Halle mit 78,87 m die EM-Norm. Damit verwies er den WM-Sechsten Sergej Litvinov (Frankfurt/78,47) auf Rang zwei.

Dagegen konnte Lokalmatadorin Nadine Müller nicht wie erhofft auftrumpfen. Nach ihrer Jahres-Weltbestleistung von 67,78 m vor einer Woche in Wiesbaden kam die Diskuswerferin ausgerechnet beim Heimspiel nur auf 62,34 m und verlor knapp gegen die Chinesin Yanfeng Li (62,97).