Man muss in der DFB-Pokal-Statistik lange zurückblättern, um ein ähnlich deutliches Finalergebnis wie das 4:0 (1:0) des FC Bayern im mit 75 420 Zuschauern wie immer ausver-kauften Berliner Olympiastadion am Sonnabend über Werder Bremen zu finden. 1972 bezwang Schalke 04 den 1. FC Kaiserslautern gar mit 5:0. Der beeindruckende Sieg der Münchner unterstrich, dass das Triple kein Traum mehr bleiben muss.

Berlin. Der Erfolg des FC Bayern trägt einen Namen – Louis van Gaal. Der kantige Holländer hat aus 22 hochbezahlten, egoistischen Individualisten eine echte Mannschaft zusammengeschweißt. Da stimmen Ordnung, Laufwege, Disziplin und Tempo. Und mit Arjen Robben auf der rechten bzw. Franck Ribery auf der linken Seite verfügt das Team über eine Flügelzange, über zwei außergewöhnliche Fußballer, die in der Lage sind, genau im richtigen Moment zuzuschlagen.

"Sie haben agiert wie Mittelfeldspieler, aber mit den Kapazitäten von Stürmern", erläuterte van Gaal, sprach voller Stolz "vom vielleicht besten Spiel der gesamten Saison" und nannte eine seiner Philosophien: "Wichtig ist, allen 22 Spielern eine Perspektive zu bieten. Dann wird es viel einfacher, mit ihnen zu arbeiten."

Das 4:0 mag am Ende etwas zu hoch ausgefallen sein, eine echte Chance hatte Werder Bremen, immerhin Champions-League-Qualifikant, damit drittbester deutscher Club und mit 71 Toren fast so erfolgreich wie die Bayern (72), bis auf die Anfangsphase in beiden Halbzeiten aber nicht. Es war vor allem die Art und Weise, wie die Münchner ihren Gegner beherrschten und damit allen Augenzeugen Respekt und Hochachtung abverlangten.

Werder-Trainer Thomas Schaaf ("Uns hat die Überzeugung und der Glaube daran gefehlt, dass wir es wirklich packen können") dachte derweil schon weiter: "Wir werden in der Liga intensiv daran arbeiten, dass die Bayern-Dominanz nicht zu groß wird. Wenn sie sich allerdings so wie im Pokalfinale präsentieren, wird‘s schwer."

"Feierbiest" van Gaal bedauerte, dass außer dem obligatorischen Feuerwerk, Gold-Konfetti-Regen, Champagner und Weißbier der Triumph nicht wie vor einer Woche der Meistertitel gebührend honoriert wird: "Wir stehen diesmal nicht auf dem Balkon. Das finde ich schade, denn ich denke, jeder Pokalsieg muss entsprechend gefeiert werden."

Immerhin gönnt der Holländer seinen Schützlingen morgen einen freien Tag, bevor die Vorbereitung auf das Champions-League-Finale in Madrid gegen Inter Mailand beginnt. Das Triple soll nun eine bislang außergewöhnliche Saison krönen. Vor Wochen hätten dem Rekordmeister und nunmehr 15-fachen DFB-Pokalsieger nur die wenigsten ein solches Husarenstück zugetraut, mittlerweile werden es täglich mehr.

Karl-Heinz Rummenigges Glaube an den historischen Dreifach-Erfolg ist enorm: "Ich habe das Gefühl, diese Mannschaft hat eine Leidenschaft, einen Willen, einen Kampfgeist, wie wir ihn lange nicht mehr hatten", betonte der Vorstandsvorsitzende mit Nachdruck. "Kaiser" Franz Beckenbauer sparte ebenso nicht mit Lob: "Wenn mir das einer vor einem halben Jahr gesagt hätte, hätte ich ihn in die Nervenheilanstalt weitergeleitet. Heute ist es eine Wonne, dieser Mannschaft zuzuschauen." Van Gaal drückte es so aus: "Inter Mailand ist nicht Werder Bremen, aber Jose Mourinho hat gesehen, dass auch wir Fußball spielen können ..."

Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Boenisch - Frings - Bargfrede (54. Marin), Borowski (70. Jensen) - Özil - Hunt (46. Hugo Almeida), Pizarro

München: Butt - Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber - van Bommel, Schweinsteiger - Robben (87. Altintop), Ribery - Müller (77. Timoschtschuk), Olic (80. Klose)

Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne). Tore: 0:1 Robben (35., Handelfmeter), 0:2 Olic (51.), 0:3 Ribery (63.), 0:4 Schweinsteiger (83.). Zuschauer: 75 420 (ausver-kauft). Gelb: Frings, Fritz, Borowski / van Bommel, Olic. Gelb-Rot: Frings wegen wiederholten Foulspiels (77.).