Mit Kaiser Ottos gütigem Beistand zum Weltmeistertitel. So könnte, etwas flapsig formuliert, die Box-Gala am Sonnabend ( ZDF live 23.15 Uhr) in der Magdeburger Bördelandhalle überschrieben werden. Gestern präsentierten sich die vier Hauptkämpfer der beiden WM-Gefechte schon einmal auf geschichtsträchtigem Boden: Im Kaiser-Otto-Saal des Kulturhistorischen Museums der Landeshauptstadt.

Magdeburg. Selbst Oberbürgermeister Lutz Trümper hatte es sich nicht nehmen lassen, die Faustkämpfer, jene die Gladiatoren der Neuzeit, in den Mauern seiner Stadt zu begrüßen. "Es ist eine tolle Sache", meinte der SPD-Politiker, "wenn durch Box-Events an die historischen Wurzeln unserer Stadt erinnert wird." Nicht umsonst wirbt Magdeburg für den Kampfabend mit dem Motto: "Ring frei in der Ottostadt".

Museumsdirektor Matthias Puhle schlug in dieselbe Kerbe. "Kultur und Sport ergänzen sich prächtig", meinte er. Puhle verwies zudem auf die denkwürdige Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955, als Otto I. die Ungarn bezwungen hatte: "Völlig überraschend damals übrigens – sozusagen ein Außenseitersieg."

Puhle hatte damit, ungewollt, den Bogen zu Magdeburgs Vorzeige-Boxer Robert Stieglitz geschlagen. Denn der hatte sich im Vorjahr in Budapest mit einem Überraschungssieg ausgerechnet über den Ungarn Karoly Balcsay seinen ersten WM-Gürtel geholt. Am Sonnabend will der 28-jährige Supermittelgewichtler vom SES-Team nun eben diesen WBO-Gürtel in seinem neuen Wohnzimmer, der Bördelandhalle, gegen Eduard Gutknecht vom Hamburger Universum-Boxstall verteidigen.

Und auch dieses Gefecht selbst hat eine kleine historische Dimension: Es ist erst das siebte deutsch-deutsche Duell überhaupt um eine Box-Weltmeisterschaft.

"Es wird eine hartes Sache", kündigte Stieglitz gestern an. Auf die Frage, ob er in der Vorbereitung etwas anders gemacht hätte als sonst, meinte er lakonisch: "Warum soll ich mir besondere Gedanken machen. Das sollte mein Gegner tun, schließlich will der ja Weltmeister werden."

Für den aus Gifhorn stammenden Gutknecht ("Das ist der größte Tag in meinem Boxerleben") ist es auch ein kleines Heimspiel: "Für meine Bekannten und Freunde ist es nur ein Sprung nach Magdeburg. Ich werde also eine lautstarke Unterstützung im Ring haben."

Im zweiten WM-Fight streiten sich an diesem Abend WBC-Interimsweltmeister Sebastian Zbik (Universum) und der Italiener Domenico Spada um den WBC-Gürtel im Mittelgewicht. In der Erstlauflage dieses Duells hatte sich Zbik vor neun Monaten umstritten durchgesetzt. Spada gestern: "Am Sonnabend gehört der Gürtel mir."