Shanghai (dpa). Der Titelkampf in der Formel 1 wird zum Tanz auf dem Vulkan. Mitfavorit Sebastian Vettel gerät nach dem Angriff des neuen WM-Spitzenreiters Jenson Button mächtig ins Schwitzen, der auf Gesamtrang zwei vorgestürmte Nico Rosberg heizt Michael Schumacher ein, Ferraris Hoffnungen sind indes vorerst erkaltet. "Es ist wunderbar, in dieser Position zu sein. Ich genieße das sehr", schwärmte Titelverteidiger Button in Shanghai nach seinem Regen-Triumph vor McLaren-Landsmann Lewis Hamilton. "Jetzt machen wir drei Wochen Pause bis Barcelona – und da wollen wir noch stärker sein", drohte der Engländer.

Vor allem Vettel dürfte diese Kampfansage Bauchschmerzen bereiten. Bei der Wasser-Lotterie von China zeigte sein Red-Bull-Team unerwartet große Schwächen; der Vize-Weltmeister aus Heppenheim war perplex und sauer. "Wir hatten stark mit dem Auto zu kämpfen", bekannte der 22-Jährige. Dabei galt der RB6 bis zum vierten Saisonlauf als der Wunderwagen der Königsklasse.

Wie alle Rennställe will auch Red Bull seine Boliden bis zum nächsten Grand Prix in Spanien am 9. Mai modifizieren. "Wir werden beim nächsten Rennen zurückschlagen", beteuerte Teamchef Christian Horner und tröstete den Shanghai-Sechsten Vettel: "Das sind immer noch wertvolle Punkte." Das zumindest sah auch der Hesse so. "Kann ziemlich wichtig sein", befand er. Mit nun 45 Punkten fehlen dem WM-Fünften 15 Zähler auf Button (60), dem Vettel im Vorjahr die Formel-1-Krone überlassen musste.

Dichter dran ist Mercedes-Mann Rosberg, der nun schon 50 Punkte hat. "Es passt alles zusammen", befand der Wiesbadener nach dem dritten Platz in China und dem Sprung auf WM-Rang zwei. In seinem neuen Team fährt der 24-Jährige bislang nahezu makellos und lässt Rückkehrer Schumacher ziemlich alt aus- sehen. "Vor der Saison habe ich gehofft, gleichauf mit Michael zu sein. Jetzt bin ich vorn, das ist großartig", sagte Rosberg.

Rekord-Weltmeister Schumacher setzt nach der Pleite mit Platz zehn in Shanghai auf die geplanten Umbauten am Silberpfeil. "Das Auto wird Fortschritte machen", meinte der 41-Jährige. "Wir werden die Probleme untersuchen und ich bin überzeugt, wir werden eher früher als später viel bessere Ergebnisse von ihm se-hen", versprach Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.