Stuttgart (dpa). David Coulthard macht sich nichts vor. "Das wird ein Lehrjahr und darum steht fest: Ich werde Fehler machen", sagte der ehemalige Formel-1-Vizeweltmeister vor seiner Premiere im Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) auf dem Hockenheimring in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. 539 Tage nach seinem 246. und bisher letzten Formel-1-Rennen morgen (14.00 Uhr/ARD) wieder als Debütant am Start zu stehen, sieht der Mercedes-Neuzugang aus Schottland als "persönliche Herausforderung". Neben spürbarer Vorfreude geht er sie mit der Gelassenheit eines 39-Jährigen Routiniers an.

"Ich habe keine Erfahrung in dieser Serie und fahre in einem 2008er Auto. Es gibt eine Reihe Jungs, die um die Meisterschaft kämpfen. Zu denen werde ich nicht gehören", räumte Coulthard mit Blick auf DTM-Spezialisten wie Titelverteidiger Timo Scheider (Audi) ein. "Aber was immer in der DTM passiert, ändert nichts an der Karriere, die ich vorher hatte. Was in den Motorsport-Geschichtsbüchern steht, radiert niemand mehr raus."

Wegen der Tätigkeit als BBC-Experte bei Formel-1-Rennen blieb dem 13-maligen Grand-Prix-Sieger zuletzt nicht einmal viel Zeit, sich voll und ganz auf die DTM einzustimmen. "Ich hatte sicher keine ideale Vorbereitung. Aber wir leben nicht in einer idealen Welt", sagte Coulthard. "Ich habe also zwei Möglichkeiten: Ich nehme die Herausforderung an und gebe mein Bestes oder ich sitze irgendwann zu Hause und frage mich: Hätte ich einen DTM-Wagen wohl gut fahren können? Ich ziehe die Herausforderung vor."

Wie andere frühere Formel-1-Stars vor ihm sieht sich Coulthard zunächst vor einer großen Umstellung. "In der Formel 1 gehst Du sehr aggressiv mit Bremse und Gas um, weil Du soviel Grip hast. In einem DTM-Auto muss man vorsichtiger und sehr gefühlvoll sein und daran muss man sich gewöhnen", erklärte er. "Wenn Du Dein ganzes Leben lang auf Asphalt gelaufen bist, ist das ganz normal für Dich. Wenn Du aber immer auf Sand oder Eis gelaufen bist, ist Asphalt total ungewohnt."

Daher fühlt sich "DC" von seiner Rolle als neue Attraktion der populären Tourenwagen-Serie auch nicht unter Druck gesetzt. "Immer wieder sagen Leute, dass noch kein Formel-1-Fahrer nach seinem Wechsel in die DTM erfolgreich war", erzählte er. "Darauf entgegne ich: Na gut, mir fällt aber auch kein DTM-Fahrer ein, der in der Formel 1 erfolgreich war. Diese Vergleiche bringen nichts. Die DTM ist ebenso eine ganz individuelle Serie wie es die Formel 1 ist."

Ob er wie sein früherer Formel-1-Rivale und jetziger Mercedes-Kollege Ralf Schumacher über Jahre hinweg in der DTM bleiben wird, lässt Coulthard offen: "Ich sage sicher nicht, dass ich nur die zehn Rennen in dieser Saison fahren will. Aber ich muss erstmal sehen, wie ich mich schlage."