Hamburg (dpa). Susi Kentikian und Nadia Raoui sehen aus, als könnten sie keiner Fliege etwas zuleide tun. Die eine 1,54 Meter groß, schwarzgelockt, freundlich lächelnd. Die andere 1,55 Meter groß, dunkelbraungelockt, charmant lächelnd. Beide lieben es, sich gestylt, bisweilen auch in erotischen Dessous oder eleganten Abendkleidern den Fotografen zu stellen. Doch mit Liebreiz und Charme ist es vorbei, wenn die Damen aus Hamburg und Herne in den Ring klettern. Die eine heißt dann plötzlich "Killer-Queen", die andere "Schönes Biest". Heute schlagen die "leichten Mädchen" in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg aufeinander ein. Das Duell der Fliegengewichtlerinnen ist Höhepunkt der Universum-Veranstaltung (23.15 Uhr/live ZDF).

Die 22-jährige Kentikian bietet ihre drei WM-Titel der Verbände WIBF, WBA und WBO feil. Raoui hat auch zwei WM-Gürtel. Doch auf die legt man bei Universum keinen gesteigerten Wert. Schließlich handelt es sich um den Schmuck der Verbände WIBA und WPBO, die man hierzulande nur vom Hörensagen oder gar nicht kennt.

"Dieser Kampf ist Feuer gegen Feuer", formuliert die gebürtige Armenierin das Motto für das Duell gegen Raoui. "Und ich muss mehr Feuer haben." 26 Mal ist die kleine Power-Frau, die einst als Flüchtlingskind nach Deutschland kam und sich an die Anfangsjahre im schmuddeligen Asylbewerberheim nur ungern erinnert, als Profi in den Ring gestiegen. Stets hat sie ihn als Siegerin verlassen. "Jetzt bin ich soweit, die großen Kämpfe zu machen", behauptet sie. Raoui komme da gerade recht. Die in Herne lebende Deutsche mit marokkanischem Hintergrund hat elf von zwölf Profi-Kämpfen gewonnen, einer endete remis.

"Ich freue mich, dass eine Gegnerin kommt, die kämpfen wird", sagt Kentikian. "Susi boxt wie ein Batterie-Hase. Ich boxe genauso", sagt Raoui. Gemeint ist das Wilde, Stürmische, der permanente Trommelwirbel mit den Fäusten, die Non-Stop-Attacken. Kentikian ist zwar zwei Jahre jünger, aber im Ring erfahrener. Sie trägt die Favoritenbürde.

Für Kentikian ist der Kampf eine Premiere. Erstmals ist sie Hauptkämpferin im ZDF. Damit hat die "Box-Fliege" Halbschwergewichts-Weltmeister Jürgen Brähmer ins Rahmenprogramm verdrängt. Dem Schweriner, der seinen WBO-Titel gegen den Argentinier Mariano Plotinsky verteidigt, stößt das übel auf. "Das ist ärgerlich", raunzt er. Das ZDF will den wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einer 16-monatigen, aber noch nicht rechtskräftigen Haftstrafe verurteilten Mecklenburger nicht als Zugnummer präsentieren. Promoter Klaus-Peter Kohl trotzig: "Das Interesse an Jürgen wird immer größer. Er wird irgendwann Top-Fighter in Deutschland sein." Allerdings ohne das ZDF. Das steigt Ende Juli aus dem Profi-Boxen aus.