Der Fußball-Bundesliga steht ein Herzschlagfinale bevor. Zum 24. Mal in ihrer Geschichte wird die Meisterschale offiziell erst am letzten Spieltag vergeben. Doch auch das enge Rennen um die restlichen internationalen Plätze und den Klassenverbleib sind Indizien für den hohen Unterhaltungswert und die Vitalität der Spielklasse.

Düsseldorf (dpa). Das dürftige 1:1 der Bayern in Mönchengladbach animierte Felix Magath zu ersten Psycho-Spielchen. Mit verschmitztem Lächeln setzte der Schalker Trainer-Fuchs die Münchner auch verbal unter Druck: "Die erste Überraschung haben wir schon gesehen. Und es können noch zwei folgen."

Der altbekannte Bayern-Dusel scheint auf die Schalker übergegangen zu sein. Im Stil des Rekordmeisters nutzten die Magath- Profis beim glücklichen 1:0 in Berlin die Gunst der Stunde. Nur drei Minuten vor dem Abpfiff avancierte Torschütze Heiko Westermann zum Matchwinner und versetzte den großen königsblauen Anhang in Euphorie. Damit ebnete der finanziell angeschlagene Revierclub den Weg in die lukrative Champions League und schloss wieder zum FC Bayern (64 Punkte) auf.

Die ungewohnte Nervenschwäche der Bayern, die beim 1:1 in Mönchengladbach ihren Zwei-Punkte-Vorsprung verspielten, schürt den Optimismus der Schalker. Wenige Tage vor dem Rückspiel in der Champions League bei Olympique Lyon gingen den Münchnern nicht nur Punkte, sondern auch die Manndecker verloren. Sowohl Daniel van Buyten als auch Martin Demichelis mussten verletzt ausgewechselt worden. "Das war heute ein Drama", kommentierte Trainer Louis van Gaal das Verletzungspech.

Nur gut, dass der niederländische Fußball-Lehrer mit der Einwechslung von Miroslav Klose ein gutes Näschen bewies. Der Ausgleichstreffer des Nationalspielers bewahrte sein Team zumindest vor dem Verlust der Tabellenführung. Trotz des leichten Rückschlags stellte Bayern-Präsident Uli Hoeneß Zuversicht zur Schau und konterte die Kampfansage der Schalker: "Wir haben zwei Spiele. Wenn wir die gewinnen, sind wir deutscher Meister. Für Felix Magath gibt es gar nichts zu frohlocken."

Nur eine Entscheidung scheint zwei Spieltage vor dem Saisonkehraus bereits gefallen zu sein. Mit der Niederlage gegen Schalke schwanden beim Schlusslicht Hertha alle Hoffnungen auf den Klassenverbleib. Immerhin fünf Punkte liegt der Relegationsplatz nach dem 15. Heimspiel ohne Sieg entfernt. "Wir können alle die Tabelle lesen", erklärte Manager Michael Preetz frustriert.

Nicht nur die Berliner, sondern auch die übrigen "Kellerkinder" gingen am 32. Spieltag leer aus. Das 0:3 von Hannover (27 Punkte) in Leverkusen, das 0:2 des VfL Bochum (28) gegen den VfB Stuttgart und das 2:3 der Nürnberger (28) gegen Borussia Dortmund sorgten für unveränderte Verhältnisse. Immerhin machte Hannover-Coach Mirko Slomka im Vergleich zum 0:7 seiner Mannschaft am vorigen Spieltag bei Bayern einen deutlichen Aufwärts- trend aus: "Wenn wir in den letzten beiden Spielen so auftreten, mache ich mir keine Sorgen."

Ähnlich eng wie am Tabellen- ende geht es im Kampf um die europäischen Plätze zu. Mit Bremen (57), Leverkusen (57), Dortmund (56) und Stuttgart (53) können noch vier Clubs darauf hoffen, den Bayern und Schalkern in die Champions League zu folgen. Das schwerste Restprogramm steht Pokalfinalist Bremen bevor. Doch die hohen Hürden in Gelsenkirchen und gegen Hamburg schrecken Trainer Thomas Schaaf nicht: "Jetzt haben wir diese zwei tollen Partien, bevor es zum Highlight in Berlin kommt. Besser geht es doch nicht."

Werder, Bayer und der BVB können nach dem 1:5-Debakel des HSV 1899 Hoffenheim auf jeden Fall für die Europa League planen. Die Hanseaten haben dagegen kaum noch eine Chance, Stuttgart von Platz sechs zu verdrängen.