Die Abwehrsorgen sind alarmierend, aber die Endspielrechnung des FC Bayern München soll notfalls auch ohne die Wackelkandidaten Daniel van Buyten und Martin Demichelis aufgehen. Mehr denn je muss Louis van Gaal im Halbfinal-Rückspiel der Champions League (heute 20.45 Uhr/SAT.1 und Sky) gegen Olympique Lyon auch ohne den gesperrten Franck Ribéry auf die Offensivkraft seiner Mannschaft setzen – und dabei besonders auf Torgarant Arjen Robben.

Lyon (dpa). "Wir machen normalerweise auswärts immer ein Tor – und dann muss Lyon schon drei schießen", beschrieb der Bayern-Trainer nach dem 1:0 im Hinspiel seine Kalkulation für den ersehnten Einzug der Bayern in ihr erstes Champions-League-Finale seit dem Triumph 2001. "Wir haben eine Riesenchance, die wir nützen müssen", sagte Nationalspieler Bastian Schweinsteiger beschwörend in Lyon. Bei einem eigenen Tor könnte man sich sogar eine 1:2-, 2:3- oder 3:4-Schlappe leisten.

Vor dem kurzen Flug nach Frankreich spitzte sich der bayerische Abwehrnotstand am Montag nochmals zu: Der in der Innenverteidigung als möglicher Notnagel eingeplante Anatoli Timoschtschuk meldete sich mit einem Magen-Darm-Infekt ab; sein Platz im Lufthansa-Airbus blieb leer. Außerdem ist Links-Verteidiger Diego Contento angeschlagen. Zu den Einsatzchancen von Demichelis (Wadenzerrung) und van Buyten (Schien- und Wadenbeinprellung) vermeldete Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt: "Es ist bei beiden völlig offen."

Eine Zitterpartie bis kurz vor dem Anpfiff zeichnet sich ab. "Wir haben die Hoffnung, dass sie fit werden können", sagte van Gaal. Wenigstens einer der Innenverteidiger soll soweit fitgemacht werden, dass er gemeinsam mit Holger Badstuber im Zentrum verteidigen kann. "Wir haben viele Verletzte, aber unser Wille ist groß", betonte van Gaal. An der Marschroute soll die Besetzung der Viererkette ohnehin nichts ändern, wie Torwart Hans-Jörg Butt verkündete: "Unser Ziel ist es, zu Null zu spielen, dann sind wir im Finale."

Klingt einfach, ist es aber nicht. "Das wird ein ganz heißer Tanz", ahnt Präsident Uli Hoeneß. Aber die Zuversicht ist groß. "Ich bin überzeugt, dass wir einen großen Kampf abliefern werden", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: "Unsere Mannschaft hat die ganze Saison ausgezeichnet, dass sie mit großem Willen, großem Kampf und großer Leidenschaft zu Werke geht. Sie hätte es verdient, ins Finale einzuziehen." Gegner am 22. Mai in Madrid wäre Inter Mailand oder der FC Barcelona.

Rotsünder Ribéry und Danijel Pranjic (Gelb-Sperre) fallen in Lyon aus, dafür kehrt Mark van Bommel zurück. "Wir sind im Vorteil, weil wir 1:0 führen", betonte der Kapitän, der 2006 mit Barcelona den Titel holte: "Das Wichtigste ist, dass man locker bleibt."

Außerdem könnte die Bayern-Trumpfkarte einmal mehr Arjen Robben sein ...