Zum zweiten Mal nach dem aus Magdeburg stammenden Olaf Heukrodt (ab 2005) steht seit Sonnabend mit Thomas Konietzko (46) ein Sachsen-Anhalter an der Spitze des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV). Der Wolfener beantwortete kurz nach Amtsantritt die Fragen von Volksstimme-Redakteur Klaus Renner.

Volksstimme: Wie haben Sie den Abend nach Ihrer Wahl verbracht?

Thomas Konietzko: Wir haben angeregt über die Zukunft unseres Verbandes geredet. Dabei ist es sehr spät geworden.

Volksstimme: Wie wollen Sie Ihr neues Ehrenamt mit Ihrer Tätigkeit als Geschäftsführer einer Unternehmensgruppe mit mehr als 300 Beschäftigten in Einklang bringen?

Konietzko: Ich bin von den meisten meiner Ehrenämter zurückgetreten, so dass am Ende der Zeitaufwand als DKV-Präsident nicht größer sein wird als das bisher der Fall war.

Volksstimme: Was werden Sie als DKC-Chef als Erstes anpacken?

Konietzko: Es gibt nichts, was dringendst anzupacken ist, denn der DKV ist gut aufgestellt. Ich denke, dass ich in kleinen Dingen nachjustieren kann, so bei der Durchsetzung unseres Leistungssport-Konzeptes und bei der Darstellung unseres Verbandes als Dienstleister für die Freizeitsportler, die mehr als 80 Prozent der Mitglieder ausmachen.

Volksstimme: Sie hatten gesagt, den Kanusport weiterbringen zu wollen. Wie meinen Sie das?

Konietzko: Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass, wenn wir weiter die Weltspitze dominieren wollen, wir noch härter trainieren und alle Reserven auf wissenschaftlicher und organisatorischer Ebene nutzen müssen.

Volksstimme: Wie ist der DKV derzeit aufgestellt?

Konietzko: Der DKV ist ein erfolgreicher Verband. Die sportlichen Leistungen und die Verbandsstruktur stimmen. Als neuer Präsident habe ich es schwer, jetzt in die großen Fußstapfen meiner Vorgänger Ulrich Feldhoff und Olaf Heukrodt zu treten.

Volksstimme: Was erwarten Sie von der Kanu-Saison 2010?

Konietzko: 2010 ist das zweite nacholympische Jahr. Da könnte die eine oder andere Enttäuschung dabei sein. Für Olympia 2012 in London sehe ich uns aber auf einem guten Weg.

Volksstimme: Sie sind immerhin der zweite Präsident in Folge aus Sachsen-Anhalt. Welchen Stellenwert hat Sachsen-Anhalts Landesverband im DKV?

Konietzko: Die Breite an sportlichen Leistungen ist nicht so vorhanden wie früher. Wir müssen uns also auf die Spitzenathleten wie Conny Waßmuth, Andreas Ihle, Erik Leue, Chris Wend, Nicole Beck und Sören Schust beschränken, von denen niemand ausfallen darf. Im U-23-Bereich und bei den Junioren ist unser Bundesland nicht so dominierend wie in der Vergangenheit. Erfreulich ist allerdings die Entwicklung im Kanuslalom beim KC Falke Magdeburg.

Volksstimme: Viele Spitzenverbände haben Nachwuchssorgen. Wie ist es um den DKV bestellt?

Konietzko: Ich sehe ähnliche Tendenzen wie in Sachsen-Anhalt. Auch wir suchen händeringend Nachwuchs. 2009 mussten wir bei der Junioren-WM hart kämpfen, um unseren Spitzenplatz zu behaupten. Andere Länder kopieren zunehmend unser System und sind damit erfolgreich. Allerdings glaube ich, dass wir durch die aus der demografischen Entwicklung resultierende Delle hindurch sind.

Volksstimme: Für wie begründet halten Sie Bedenken über die Zukunft des DKV?

Konietzko: Ich halte sie für unbegründet. Der größte Teil der Arbeit wird von Tausenden Ehrenamtlichen gemacht. Wir verfügen darüber hinaus über ein hervorragendes Trainerteam, so dass ich optimistisch in die Zukunft blicke. Bei den Olympischen Sommerspielen in London werden wir mit großer Sicherheit da sein.