Neuss ( SID ). 74 Tage vor dem WM-Start hat die Diskussion um ein Comeback von Kevin Kuranyi in der deutschen Nationalmannschaft eine neue Dimension erreicht. Kein Geringerer als Franz Beckenbauer macht sich öffentlich vehement für eine Begnadigung des derzeit erfolgreichsten Torjägers der Fußball-Bundesliga stark und erhöht damit den Druck auf Bundestrainer Joachim Löw : " Wir wollen in Südafrika den vierten Weltmeister-Stern. Und dafür brauchen wir jeden Top-Spieler. Auch Kevin Kuranyi. "

" Es kann ja nicht sein, dass ich den besten Stürmer – und das ist der beste Stürmer – der das ganze Jahr über trifft, lebenslang sperre ", sagte der " Kaiser " und empfiehlt Löw, die Verbannung nach Kuranyis " Fahnenflucht " beim Russland-Länderspiel am 18. Oktober 2008 aufzuheben.

" Dieser Verstoß musste scharf bestraft werden. Aber das war im Oktober 2008. Löw hätte sich nicht so früh festlegen sollen, Kuranyi für alle Zeiten für die Nationalelf zu sperren. ‚ Lebenslänglich ‘ für einen Fußballer ? Diese Strafe erschien mir immer schon für überzogen. Doch jetzt wird sie zu einem Problem für die Nationalelf ",

sagte Beckenbauer. Das Nationalteam sei keine Angelegenheit von ein paar beteiligten Personen, die ein Problem miteinander haben, " die Nationalmannschaft gehört uns allen ".

Kuranyis bestechende Form und die seit Monaten indiskutablen Vorstellungen des Münchners Miroslav Klose und des Kölners Lukas Podolski liefern auch Schalkes Trainer Felix Magath Argumente für Kuranyi : " Ich würde jedem Trainer empfehlen, sich nicht so früh festzulegen. "

Experten erinnern an den " Fall Stefan Effenberg ". Der Mittelfeldspieler war wegen seines " Stinkefingers " bei den WM 1994 in den USA von dem damaligen Bundestrainer Berti Vogts aus dem Nationalteam geworfen, aber vier Jahre später nach einer Aussprache wieder nominiert worden. Zuvor hatte Vogts auch Lothar Matthäus zunächst für zwei Jahre verbannt und dann vor der WM 1998 wieder ins Nationalteam zurückgeholt.

In einer Umfrage des Fachmagazins " kicker " sprachen sich 77, 8 Prozent für eine Rückkehr von Kuranyi aus. Doch Bundestrainer wie auch Nationalmannschaft-Manager Oliver Bierhoff hüllen sich weiter in Schweigen.